Sauerland-Gruppe : In der Haft zur Einsicht gekommen

Prozess gegen die Sauerland-Gruppe: Die Hälfte der Angeklagten scheinen sich von den geplanten Anschlägen zu distanzieren.

Frank Jansen

Düsseldorf - Solche Taten seien nicht mit dem Islam zu vereinbaren, sagte der Deutschtürke Attila Selek am Donnerstag im Düsseldorfer Oberlandesgericht. Selek gab zu, er hätte sich „damals“ gefreut, wenn die Anschläge auf amerikanische Einrichtungen geklappt hätten, doch heute sehe er das anders. Zu dieser Einsicht sei er in türkischer Haft im Gespräch „mit muslimischen Brüdern“ gekommen. Selek war im Februar 2007 in die Türkei gereist und soll von dort aus die Zünder für die von der Gruppe geplanten Sprengsätze besorgt haben. Im November 2007 wurde Selek in der Stadt Konya festgenommen und ein Jahr später an die Bundesrepublik ausgeliefert. Die anderen drei Angeklagten waren im September 2007 im Sauerland von der Polizei überwältigt worden.

Vor Selek hatte bereits am Mittwoch der Angeklagte Daniel Schneider geäußert, die Vorbereitung von Anschlägen in Deutschland sei falsch gewesen. Die zwei weiteren Islamisten, der Türke Adem Yilmaz und der deutsche Konvertit Fritz Gelowicz, hatten sich bei ihren Geständnissen in der vergangenen Woche nicht von den vorbereiteten Angriffen distanziert. Yilmaz sagte sogar, der Märtyrertod sei weiterhin sein Ziel.

Selek sagte, ihm seien schon während der Vorbereitung der Anschläge „gewisse Zweifel“ gekommen. Er habe sich aber an sein Versprechen gehalten, Fritz Gelowicz zu unterstützen. Diese Zusage gab Selek nach eigenen Angaben einem Anführer der usbekischen Terrorgruppe „Islamische Dschihad-Union“. Der Deutschtürke hatte, wie die anderen Angeklagten, eine Ausbildung zum Kämpfer in einem Lager der Dschihad-Union in der an Afghanistan grenzenden pakistanischen Provinz Wasiristan durchlaufen.

Unklar bleibt, welche Rolle der mit Haftbefehl gesuchte Türke Mevlut K. spielte, der Selek Zünder für die Sprengsätze beschaffte. Selek deutete an, die Gruppe habe geahnt, dass K. für einen Geheimdienst arbeitet. Dennoch habe er den Kontakt nicht abgebrochen, weil er es für „nützlich“ gehalten habe, über den offenbar redseligen K. zu erfahren, was die Sicherheitsbehörden über die Gruppe wussten.

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