Sauerland-Gruppe : Terrorprozess mit Tücken

Die Ankündigung der Geständnisse sorgt für Wirbel. Die Wende kam überraschend – und sie wirft ein Schlaglicht auf die unterschiedlichen Strategien der Verteidiger im Prozess am Düsseldorfer Oberlandesgericht gegen die vier Mitglieder der Sauerland-Gruppe, die mit Autobomben US-Einrichtungen angreifen wollten.

Frank Jansen

Berlin - Der Angeklagte Adem Yilmaz hat am Dienstag offenbar gegen den Willen der Anwälte der drei Mitangeklagten den Kurswechsel zu baldigen Geständnissen erzwungen. Nach Informationen des Tagesspiegels wollten zumindest die Verteidiger von Fritz Gelowicz, den die Bundesanwaltschaft für den Rädelsführer der Sauerland-Gruppe hält, ihren Mandanten noch eine Zeit lang schweigen lassen.

Yilmaz hatte in den vergangenen Wochen über seine Verteidiger gedrängt, Gelowicz solle signalisieren, dass er einem Geständnis zustimmt. Als die Antwort ausblieb, kündigte Yilmaz, vom langwierigen Prozess genervt, am Dienstag sein Geständnis an. Und er bat um ein Gespräch mit den anderen drei Angeklagten. Die gerieten, wie ihre Verteidiger, in Zugzwang. Zur Freude des Strafsenats unter Vorsitz von Richter Ottmar Breidling: Er ließ das Gespräch zu, die vier Terrorverdächtigen konnten sich unter Aufsicht von zwei BKA-Beamten länger austauschen.

Danach kündigten Angeklagte und Verteidiger umfassende Geständnisse an. Sie könnten sich, wie Richter Breidling andeutete, auf die Höhe der zu erwartenden Strafen auswirken. Die Verteidiger hoffen auf Maximalstrafen von ungefähr elf Jahren Haft. Gelowicz’ Anwälte wollten sich aber nicht auf Andeutungen des Senats verlassen, sondern abwarten, bis die Beweisaufnahme in die vermutete schwierige Phase kommt – in der Erwartung, dass die Richter dann geneigt wären, für ein Geständnis über klare Zusagen beim Strafmaß zu verhandeln. Dieser Moment wäre nach dem Kalkül der Verteidiger erreicht gewesen, wenn es um den Anklagepunkt der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung geht. Da ist die Beweislage nach Meinung der Anwälte dünn. Sie glauben, es würde den Anklägern schwer fallen, den Angeklagten die Verbindung zur Islamischen Dschihad-Union nachzuweisen, die laut Bundesanwaltschaft die Sauerland-Gruppe gesteuert hat.

Jetzt hat sich das Szenario geändert. Es sieht nun so aus: Kommende Woche packen Angeklagte beim BKA aus, die Geständnisse werden ab dem 23. Juni von Beamten im Prozess referiert und der Strafsenat befragt die Angeklagten. Ob die so mitmachen, bleibt allerdings offen.

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