Politik : Schärfere Regeln aus Angst vor Terror

Andrea Nüsse

Kairo - Eigentlich wollte die rot-grüne Regierung die Visaerteilung beschleunigen. Deutschland sollte sich weltoffen und freundlich präsentieren. Dazu werden Pässe im Verfahren „Visa 2000“ direkt in die Computer gescannt, was viel Schreibarbeit und Zeit spart. Doch seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wird gerade in der arabischen Welt genauer hingeschaut, wer ein Visum beantragt.

Formell wurden die Bestimmungen für die Erteilung eines Visums zwar nicht verschärft. An einigen Botschaften ist jedoch seither ein Mann vom Bundeskriminalamt angesiedelt, der Dokumente von Antragstellern überprüft und das Personal von Fluglinien schult, damit es Reisepapiere und eventuelle Fälschungen besser erkennen kann.

Zahlen über Visaanträge gibt das Außenministerium nicht bekannt. Aber man kann davon ausgehen, dass immer mehr Araber ein Visum für Europa und Deutschland beantragen, gerade für Urlaubsreisen. Denn seit die USA die Einreisebestimmungen für Menschen aus der arabischen Welt extrem verschärft, und die Sicherheitschecks teilweise demütigenden Charakter haben, reisen viele Araber nicht mehr nach Amerika und schicken ihre Kinder auch nicht mehr zum Studium dorthin.

So sind einerseits Länder wie der Libanon beliebte Ferien- und Studienorte geworden, aber auch Europa und Deutschland sind attraktiver geworden. Obwohl die Visaprozeduren auch für Deutschland nicht angenehmer wurden. Seit der steigenden Zahl von Selbstmordattentaten und Autobombenanschlägen, insbesondere im Irak, sind auch die Straßen vor deutschen Botschaften in der arabischen Welt zumeist völlig abgesperrt. Und im jordanischen Amman beispielsweise müssen Antragsteller auf der Straße vor einer Absperrung warten und werden einzeln in das Botschaftsgebäude gerufen.

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