Politik : Schäuble: Entführung Warnung für Deutschland

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht in der Entführung von Susanne Osthoff im Irak eine Warnung für ganz Deutschland.

Berlin - Der Fall «zeigt, dass wir auch in Deutschland vom internationalen Terrorismus durchaus bedroht sind», sagte er der Zeitung «Die Welt» (Mittwoch). Nach Ansicht des stellvertretenden Leiters des Instituts für Terrorismusforschung in Essen, Kai Hirschmann, besteht ein Zusammenhang zwischen der Entführung und dem Regierungswechsel in Berlin. «Der Zeitpunkt der Entführung ist kein Zufall», sagte er dem «Münchner Merkur» (Mittwoch).

Die Mutter von Susanne Osthoff erklärte unterdessen, Details der Entführung ihrer Tochter habe sie erst durch die Medien erfahren. «In der Nacht kam der Anruf vom Bundeskriminalamt. Da hieß es: Sie sei entführt worden, mehr Informationen könne man mir nicht geben», sagte Ingrid Hala den «Ruhr Nachrichten» (Mittwoch). Am Dienstag habe sie dann im Fernsehen von den Forderungen der Geiselnehmer gehört. Auch die Schwester den Entführten, Anja, habe von Fernsehjournalisten von dem Verbrechen erfahren. «Das BKA hat mir gar nichts gesagt. Das war schon schockierend, dass ich das vom Fernsehen erfahren muss», sagte sie der «Süddeutschen Zeitung» (Mittwoch).

Bislang unbekannte Geiselnehmer hatten die 43 Jahre alte Susanne Osthoff aus Bayern und ihren irakischen Fahrer am Freitag verschleppt. Am Dienstag stellten sie in einem der ARD vorliegenden Video-Band ein Ultimatum. Darin wird Deutschland aufgefordert, die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einzustellen. Ansonsten würden die Geiseln getötet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die Regierung werde alles in ihrer Macht Stehende tun, um das Leben der Geiseln zu retten. Sie und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderten am Dienstag die sofortige Freilassung.

Steinmeier sagte in Washington nach einem ersten Gespräch mit US-Außenministerin Condoleezza Rice, man werde auf das Wissen und die geografische Kenntnis der US-Behörden zurückgreifen. Derzeit liefen Bemühungen, den Aufenthaltsort der Entführten festzustellen. Auch Rice zeigte sich betroffen.

Hirschmann betonte, die Terroristen wollten durch die Entführung eine Warnung an Berlin senden: «Arbeitet nicht mit den Amerikanern und der neuen Regierung in Bagdad zusammen - das ist ihre Botschaft», sagte Hirschmann. Die Tat deute auf die Gruppe um den Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi hin. Sarkawi ist Anführer von Al Qaida im Irak. «Er hat der so genannten Kreuzfahrer-Allianz, also den Amerikanern und ihren Verbündeten, den Kampf angesagt», sagte Hirschmann. (tso/dpa)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar