Politik : Schaf-Experte

Cordula Eubel

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es ist ein Irrtum, dass in Berlin nur eingefleischte Stadtmenschen wohnen, die noch nie ein Stückchen Natur gesehen haben – außer im Urlaub und im Tiergarten. In den Sitzungswochen fallen regelmäßig Bundestagsabgeordnete aus allen Regionen Deutschlands ein: vom platten Land in Norddeutschland etwa oder aus dem Allgäu. Mit Tieren und Pflanzen müssten die sich eigentlich auskennen. Besser zumindest als die Stadtmenschen unter den Berlinern, die Ziegen nur aus dem Zoologischen Garten und Astern nur aus dem Blumenladen kennen.

Peter Harry Carstensen gehört zu diesen Experten vom Lande. In der CDU-Fraktion ist der Schleswig-Holsteiner für Landwirtschaft und Ernährung zuständig. Während seine Altersgenossen in den späten 60er Jahren in den Unis und auf den Straßen protestierten, widmete sich Carstensen nach einer landwirtschaftlichen Lehre dem Studium der Agrarwissenschaften. Wer, wenn nicht er, soll also einen Überblick über das haben, was in Deutschland kreucht und fleucht. Und in der Tat: 1994 bekam Carstensen den Kulturpreis für frei lebende Tierwelt und Jagd in Deutschland verliehen.

Ein wenig überrascht hat uns daher eine Mitteilung, die uns in diesen Tagen erreichte. Carstensen ärgert sich über die Schlampereien bei BSE-Tests an Rindern. Weil in den schlimmsten Fällen Schlachtungen ohne jegliche behördliche Aufsicht durchgeführt wurden, sei das Testsystem in Misskredit gebracht worden, bemängelt der Abgeordnete. Carstensen hat eine schuldige Spezies auch schon ausgemacht: das schwarze Schaf. Ein gemeiner Vorwurf gegen die wolligen Tiere. Wer vertritt eigentlich deren Interessen?

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