SCHAM IM ZWEIKLASSENLAND : SCHAM IM ZWEIKLASSENLAND

Ferien in den früheren Staaten des Warschauer Pakts habe ich nie gemacht. Auch nicht auf Kuba. Nach Kuba würde ich jetzt reisen, bevor die Yankees alles übernehmen. Aber ein Grundproblem ist: die Zweiklassengesellschaft derer, die „Devisen“ haben, und der Einheimischen mit ihrer Null-Währung. Ich bin zu Apartheid-Zeiten auch nie nach Südafrika gefahren. Denn eine strikte Trennung in zwei Klassen ist für den privilegierten Reisenden noch beschämender als der allgemeine Gegensatz zwischen Reich und Arm. In Indien beispielsweise kann ein Luxushotel neben einem Slum erschütternd sein, und doch sind die sozialen und kulturellen Grenzen dort insgesamt fließender, bunter, verwirrender. Indien ist ein ungeheuer anziehender eigener Planet (ein Reiseland, kein Ferienparadies). Ich habe früher auch nie in Francos Spanien oder Salazars Portugal Urlaub gemacht. Dafür im Griechenland der Obristen: als Backpacker, oft unter freiem Himmel, bei Privatleuten, selten in Hotels. Wir haben damals Botschaften griechischer Mitstudenten aus Deutschland geschmuggelt und sind von Delphi bis Delos hobbyarchäologisch den Spuren von Homer, Aischylos, Herodot oder Schliemann gefolgt, vor Anbruch des Massentourismus. War das eine Ausrede? Ich glaube inzwischen an keine absoluten Kategorien, es hängt auch viel ab von den persönlichen Kontakten in einem Land. Das gilt ebenso für China, Vietnam, Birma oder den Iran. Nur Ferien in Nordkorea oder in der Sahelzone kommen nicht infrage. Peter von Becker

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