• Scharon nennt Angriff auf Gaza einen Erfolg Opfer überwiegend Zivilisten Wieder schwere Ausschreitungen

Politik : Scharon nennt Angriff auf Gaza einen Erfolg Opfer überwiegend Zivilisten Wieder schwere Ausschreitungen

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Gaza/Jerusalem (dpa). Einen Tag nach blutigen Zusammenstößen zwischen der palästinensischen Polizei und Anhängern der radikal-islamischen Hamas-Organisation ist es am Dienstag in der Stadt Gaza erneut zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die von Augenzeugen als „bürgerkriegsähnlich“ beschriebenen Unruhen folgten einer israelischen Militäroperation, bei der am Montagmorgen in Chan Junis 15 Palästinenser getötet und etwa 100 verletzt worden waren. Wie aus einer offiziellen israelischen Stellungnahme hervorgeht, waren nur vier der Toten mutmaßliche Extremisten.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon kündigte am Dienstag an, dass die Armee trotz heftiger internationaler Kritik weitere große Operationen im Gaza-Streifen plant. Nach Informationen der Zeitung „Haaretz“ geht die Armeeführung sogar davon aus, dass eine vollständige Wiederbesetzung des autonomen Gaza-Streifens „nur noch eine Frage der Zeit“ ist. Nabil Abu Rudeineh, der Berater von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, nannte die Äußerungen Scharons eine „Kriegserklärung“.

Die Ausschreitungen in Gaza begannen nach der Beerdigung von vier Hamas-Aktivisten, die am Montag bei Zusammenstößen mit der Polizei getötet worden waren. Hamas-Anhänger versuchten, eine Polizeistation zu stürmen und warfen mindestens zwei Handgranaten auf das Gebäude. Anschließend belagerten sie das Revier und forderten die Auslieferung von zwei Polizisten. In der Nacht zum Dienstag war es immer wieder zu Schießereien in der Stadt gekommen. Trotz einer inoffiziellen Waffenruhe wurde in Gaza auch am Nachmittag immer wieder geschossen.

Inzwischen machte Scharon deutlich, dass mit weiteren Armeeaktionen im Gazas-Streifen zu rechnen sei. Die Operation vom Montag nannte er „erfolgreich“. Das US-Außenministerium äußerte sich dagegen „tief beunruhigt" über den Angriff. Außenamtssprecher Richard Boucher sagte in Washington, viele der Opfer seien Zivilpersonen.

Der neue UN-Menschenrechtskommissar Sergio Mello forderte Israel auf, die Verantwortlichen für den Angriff zur Rechenschaft zu ziehen. Wie ein Sprecher des Kommissars mitteilte, übergab Mello dem israelischen Botschafter in Genf am Dienstag ein entsprechendes Schreiben an Außenminister Schimon Peres. „Mello hat darin seine große Besorgnis über die gestrigen Toten in Gaza ausgedrückt“, sagte der Sprecher. UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte den Angriff zuvor in einer Erklärung verurteilt: „Für eine solche Aktion gibt es keine legale oder moralische Rechtfertigung.“ Sie sei eine „rücksichtslose Missachtung der Menschenrechte, die den Schutz der Zivilbevölkerung vorschreiben.“

Mutmaßliche palästinensische Extremisten feuerten unterdessen am Dienstag südlich von Hebron auf das Auto einer jüdischen Siedlerfamilie. Der Fahrer wurde lebensgefährlich verletzt. Die israelische Armee rückte nach dem Anschlag in Hebron ein. In einem Flüchtlingslager von Rafah erschossen Soldaten am Dienstagabend ein zwölfjähriges palästinensisches Mädchen.

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