Politik : Schavan: Unterricht darf nicht um 13 Uhr enden

Ministerin sieht Ganztagsschule aber nur als „eine von vielen Antworten“ auf die Bildungsmisere

Amory Burchard

Berlin - Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz sieht die Ganztagsschule als Antwort auf die Bildungsmisere, die Bundespräsident Horst Köhler am Donnerstag in seiner Berliner Rede kritisiert hat. Die ganztägige Förderung könne helfen, zwei gravierende Defizite auszugleichen, sagte Ute Erdsiek-Rave (SPD) am Freitag bei einem Ganztagsschulkongress in Berlin. Sie könne den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufbrechen und die zu große Risikogruppe von Schülern verkleinern, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Köhlers Appell an alle gesellschaftlichen Gruppen, sich für Bildung zu engagieren, könne in der Ganztagsschule am besten verwirklicht werden – indem mehr Partner von außen in die Schulen kämen, um Lehrer und Erzieher zu unterstützen, sagte Erdsiek-Rave.

Für Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist die Ganztagsschule dagegen nur „eine von vielen Antworten auf das Bildungsproblem“. Schavan stand dem von ihrer Vorgängerin Edelgard Bulmahn (SPD) 2003 gestarteten Vier-Milliarden-Programm zum Ausbau der Ganztagsschulen von Anfang an kritisch gegenüber. Jetzt hob sie andere Bildungsinitiativen wie die Stärkung der frühkindlichen Förderung und den verbesserten Übergang von der Schule in die Berufsausbildung hervor. Allerdings sei es auch wichtig, in allen Schulen zu „einem anderen Umgang mit der Zeit“ zu kommen, sagte Schavan. Der Unterricht dürfe nicht um 13 Uhr enden und man müsse auch wieder über den Samstagsunterricht sprechen. Als „Lösungsversuch, der uns sehr praktisch erscheint“, bezeichnete Eva Luise Köhler die Ganztagsschulen. Die Gattin des Bundespräsidenten ist Vorsitzende der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, die Schulen hilft, ganztägige Bildungsangebote zu entwickeln. Schulen müssten heute das auffangen, was das Zuhause den Kindern nicht mehr biete, und dazu reiche ein halber Tag einfach nicht.

Erdsiek-Rave bedauerte, dass es die Föderalismusreform unmöglich mache, das Ganztagsschulprogramm zu verlängern. Weil einige Länder die vorhandenen Fördermittel anfangs nur zögerlich abgerufen haben, sollen sie jetzt aber bis 2009 und nicht wie ursprünglich geplant nur bis 2007 eingesetzt werden können. Seit dem Jahr 2003 sind bundesweit 5800 Ganztagsschulen bewilligt worden. Die von Ministerin Bulmahn eigentlich geplante Zahl von 10 000 Ganztagsschulen werde nicht erreicht, man rechne mit höchstens 8000, heißt es im Bundesbildungsministerium.

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