Politik : Scheidender Nato-Generalsekretär schließt Unabhängigkeit der Provinz aus

Der scheidenden Nato-Generalsekretär Javier Solana hat bei einem Besuch im Kosovo am Montag ausgeschlossen, dass die Provinz bald unabhängig werden könnte. Ohne eine Versöhnung der Volksgruppen werde es keinen Frieden und keine Stabilität geben, sagte Solana, der zum letzen Mal in seiner Funktion als Generalsekretär der Allianz die Provinz besuchte. Er begrüßte die Entmilitarisierung der ehemaligen kosovarischen Untergrundarmee UCK und forderte deren Kämpfer auf, sich dem Kosovo-Schutzkorps (TMK) anzuschließen. Am Sonntag war Solana mit dem gemäßigten Albanerführer Ibrahim Rugova und dem UN-Verwalter für das Kosovo, Bernard Kouchner, zusammengetroffen. Im Oktober wird Solana an der Spitze der Nato vom ehemaligen britischen Verteidigungsminister George Robertson abgelöst.

Solana rief die politischen Führer im Kosovo am Montag auf, sich für die ethnische Versöhnung einzusetzen. Sie seien verantwortlich, falls Gewalt und Hass kein Ende nähmen. Ein geplantes Treffen Solanas mit dem Anführer der ehemaligen UCK, Hashim Thaci, fand aber nicht statt, weil Thaci nicht erschien, wie Nato-Sprecher Oberstleutnant Robin Clifford mitteilte. Die Kosovo-Friedenstruppe KFOR meldete unterdessen eine ganze Reihe neuer Gewalttaten. So sei unter anderem in Pec im Westen der Provinz in der Nacht zum Montag ein Albaner von Unbekannten erschossen worden.

Die Serben im Kosovo hatten von Solana zuvor eigenständige und selbstverwaltete Gebiete verlangt. Dies sei der einzige Weg, wie ein multiethnisches Kosovo erhalten werden könne, sagte ein Vertreter der serbischen Minderheit am Sonntagabend bei einem Treffen mit Solana. Die Entscheidung der Nato, den Kosovo-Albanern die Fortführung der UCK als zivile Organisation zu erlauben, sei ein schwerer Schlag für das Vertrauen der Serben in die Nato gewesen. Die Serben haben UN-Verwalter Bernard Kouchner formell gebeten, fünf serbische Kantone im Kosovo einzurichten. Eine offizielle Antwort lag noch nicht vor.

Protest in Belgrad gegen Milosevic

Auch am Sonntagabend haben rund 50 000 Serben in der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad für eine Ablösung des Regimes von Staatschef Slobodan Milosevic demonstriert. Die Menschen zogen an den Regierungsgebäuden vorbei mit Rufen wie "Slobo, geh" und "Rote Banditen". Es war der sechste Tag einer Serie von Protesten, die nach dem Willen der oppositionellen Allianz für den Wandel bis zum Sturz von Milosevic täglich fortgesetzt werden sollen. Nach Angaben der Veranstalter stimmt die wachsende Beteiligung hoffnungsvoll, dass die angestrebte Zahl von zwei Millionen Demonstranten schließlich erreicht werde.

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