Scheidender Premier : Silvio Berlusconi: Es gibt nur ihn

Mit seinem Geld, seinem Erfolg und seinem gerissenen Umgang mit Gesetzen verkörpert Silvio Berlusconi all das, was Italiener gerne sein wollen. Aber er hat damit ihr Land auch ausgehöhlt. Und so hinterlässt er es jetzt

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Ein herber Schlag für Berlusconi: Der frühere italienische Ministerpräsident und bis heute mächtigste Politiker des Landes ist zum ersten Mal in letzter Instanz verurteilt worden. Nun helfen ihm auch seine provokanten Sprüche nicht mehr. Hier eine Sammlung seiner brisantesten Kommentare.Weitere Bilder anzeigen
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02.08.2013 09:11Ein herber Schlag für Berlusconi: Der frühere italienische Ministerpräsident und bis heute mächtigste Politiker des Landes ist zum...

Noch auf den Holzbänken des Parlaments hat sich Silvio Berlusconi die Liste jener Abgeordneten seiner Fraktion reichen lassen, die am entscheidenden Dienstagabend gegen ihn gestimmt haben. Jetzt geht er sie, Name für Name, mit versteinertem Gesicht durch.

„Die hab ich zur Bürgermeisterin gemacht!“

„Bei dessen Kind war ich Taufpate; unglaublich, was ich für ihn getan habe!“

„Der verdankt mir seine Ernennung zum Landesminister!“

„Und die da, diese Frau Judas da…“

So geht er die Liste durch. „Acht Verräter!“ notiert er am Ende auf einem Handzettel. Dann fährt er zum Staatspräsidenten, um seinen Rücktritt anzukündigen. Und wieder hat sich in einer Karriere, die auf Mythen gebaut ist, ein Mythos erfüllt: Der Held stirbt nie aus eigenem Versagen. Er stirbt an den feigen Dolchstößen seiner falschen Freunde.

Da, im Parlament, sitzen sie alle: die „Rüben“, die er, allein er, „zu Prinzen gemacht“ hat, die schönen Girls aus seinen Fernsehshows, die er auf sichere Listenplätze gesetzt hat, egal, was die Parteibasis davon hielt. Da sitzen seine persönlichen Strafverteidiger, die im Justizausschuss das durchsetzen, was sie vor Gericht für ihren Mandanten nicht schaffen. Da sitzen, aus anderen Parteien zugewandert, auch jene Nothelfer, deren „Ja“ zu Berlusconi in dessen ersten Schwächephasen einen sechsstelligen Preis hatte, von dem alle wissen, den aber nie jemand wird beweisen können.

Und doch: Aus den 50 Stimmen Mehrheit, die Berlusconi bei seinem dritten Regierungsantritt im Mai 2008 hatte, aus dem historisch dicksten Sicherheitspolster eines italienischen Ministerpräsidenten überhaupt, ist endgültig eine Minderheit geworden. Die Gerichtsprozesse gegen Berlusconi sind wieder aufgeflammt, obwohl er sie per Gesetz hatte niederschlagen wollen. Was die Justiz gegen ihn vorbrachte, reichte von Meineid und Steuerbetrug über Bestechung bis zum Sex mit Minderjährigen. Und dem Urteil der Wähler, das hat er in der Nacht zum Mittwoch ausdrücklich angekündigt, stellt er sich lieber nicht mehr.

Fedele Confalonieri, Berlusconis wohl ältester Freund, hat einmal gesagt: „Berlusconi ist in Wahrheit kein Politiker. Er ist ein Utopist. In einem anderen System könnte er ein aufgeklärter Fürst sein, als demokratischer Führer aber ist er eine Fehlbesetzung.“

Wie konnte Berlusconi dann aber ein Land so lange regieren? Lesen Sie weiter auf Seite zwei.

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