Politik : Scheitern mit Ansagen: Das Debakel der UN-Blauhelme (Kommentar)

Christoph Link

Wieder steht eine UN-Mission in Schwarzafrika vor einem Desaster. Die Entführung von mehr als 500 UN-Soldaten im Busch von Sierra Leone wirft ein Schlaglicht auf die Ohnmacht von UN-Friedenstruppen in Afrika. Erneut geht eine internationale Schutztruppe vor Rebellen in die Knie. Schon in Somalia sind die UN gescheitert. In Angola folgte ein kläglicher Rückzug. Warum immer Afrika?

Gewiss, auch die UN-Einsätze in Bosnien oder im Kosovo waren problematisch - doch was in Sierra Leone geschieht, stellt alles andere in den Schatten. Die Rebellen wenden die von den Blauhelmen erbeuteten Waffen jetzt gegen die Zivilbevölkerung. Schlimmer kann die Düpierung der UN nicht sein.

Dabei begann es nicht schlecht. Anfangs begleiteten die UN mit Glück und Erfolg die Befriedung des Landes, humanitäre Organisationen kehrten zurück, Programme zur Demobilisierung von Ex-Rebellen fingen an zu greifen. Doch die Mehrzahl der Aufständischen sitzt im diamantenreichen Osten des Landes und hat bisher keine Bereitschaft gezeigt, die Waffen abzugeben. Ihr Widerstand ist unterschätzt worden, blind auf das Friedenspapier von Lomé vertrauend haben die UN 9000 leicht bewaffnete Soldaten in die Arme der Rebellen geschickt. Die UN-Streitmacht ist eine Friedens-, keine Kampftruppe, sie sollte einen Frieden begleiten, den es bereits gab. Das war ein furchtbarer Irrtum, entsprechend schlecht war die Truppe gerüstet.

Hinzu kam das Verhalten des Westens: USA und EU wollten mehr Blauhelme in Sierra Leone, waren allerdings nicht bereit, eigene Soldaten zu schicken. So besteht die Friedenstruppe aus miserabel ausgerüsteten Kontingenten Afrikas und Asiens. Mourir pour Freetown? Das ist weder in Berlin noch in Washington durchsetzbar. In Afrika wird dies aufmerksam registriert: Weiße UN-Soldaten sind sich zu fein für den Kongo.

Deshalb wächst der Wunsch nach afrikanischen Lösungen, es ertönt der Ruf nach einem Sitz Afrikas im Weltsicherheitsrat. Vielleicht ist dies der einzige Ausweg: Afrikaner lösen ihre Probleme selbst, mit Hilfe von außen. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft hat für Sierra Leone den Einsatz der von Nigerianern geführten schlagkräftigen Ecomog-Eingreiftruppe ins Auge gefasst. Ein Hoffnungszeichen.

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