Politik : Scheitert das Klon-Verbot in den UN?

Ruth Ciesinger

Berlin - Am Ende steht die Frage, ob ein weltweiter Bann des reproduktiven Klonens – also des Kopierens von Menschen – zustande kommt, oder nicht. Seit einigen Tagen berät der Rechtsausschuss der Vereinten Nationen über zwei Konventionsvorschläge, um ein Mandat für eine UN-Klonkonvention zu erreichen. Zwar sollte am Freitagabend abschließend darüber abgestimmt werden, doch die Gespräche sind festgefahren. Beobachter bezweifeln, ob eine Einigung vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl überhaupt zustande kommen kann.

Die Regierung von George W. Bush unterstützt wie etwa 60 weitere, zum Teil erzkatholische oder sehr arme Staaten den Konventionsvorschlag von Costa Rica. Dieser verbietet neben dem reproduktiven auch das so genannte Forschungsklonen. Doch durch die Arbeit mit dabei gewonnenen embryonalen Stammzellen erhoffen sich Forscher, künftig Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes oder Parkinson heilen zu können. In Ländern wie Großbritannien oder Südkorea ist das Forschungsklonen deshalb nicht nur erlaubt, sondern wird teilweise schon betrieben. Diese Länder stützen einen von Belgien eingereichten Konventionsvorschlag. Er sieht einen weltweiten Bann des reproduktiven Klonen vor, will es aber den einzelnen Staaten überlassen, ob sie das Forschungsklonen ebenfalls verbieten. Zuletzt hatte die UN-Generalversammlung die Debatte im Herbst 2003 vertagt. Jetzt wird befürchtet, dass eine Kampfabstimmung zwischen den beiden Vorschlägen zwar zu Gunsten des Entwurfs von Costa Rica ausgehen würde, dass sich aber an der Forschung interessierte Staaten einer solchen Konvention schlicht verweigern würden. Die Folgen wären eine gespaltene Staatengemeinschaft und kein weltweites Verbot des Menschenklonens.

Die meisten Staaten, das haben deren Vertreter im UN-Rechtsausschuss deutlich gemacht, fürchten das als schlimmstmöglichstes Ergebnis. Auch der Deutsche Christian Much betonte, der Bundestag habe zwar jede Art des Klonens untersagt, doch für eine weltweite Regelung sei ein Konsens absolut notwendig. Da der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, John Kerry, dem Forschungsklonen gegenüber deutlich aufgeschlossener ist als Präsident George W. Bush, könnte ein Sieg Kerrys die festgefahrene Debatte neu in Bewegung bringen. Deshalb werden die UN eine Klon-Entscheidung vermutlich erst im November fällen – falls sie überhaupt soweit kommen.

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