Politik : Schering droht feindliche Übernahme

Darmstädter Pharma-Konzern Merck will kaufen / Berliner Dax-Unternehmen lehnt Angebot ab

Maren Peters

Berlin - Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will die Berliner Schering AG übernehmen. Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen bestätigte dem Tagesspiegel, dass Merck am heutigen Montag ein Barangebot in Höhe von 77 Euro je Aktie abgeben wird. Darüber sei er am Wochenende unterrichtet worden. Die Berliner lehnen die Offerte ab. „Für uns ist das kein attraktives Angebot, weder für unsere Aktionäre noch für andere Stake-Holder“, sagte Erlen. Der aktuelle Aktienkurs liegt bei 66,86 Euro.

Merck wollte sich nicht äußern. Wie der Tagesspiegel aus Finanzkreisen erfuhr, hält das Unternehmen die Stellungnahme Erlens für „erheblich überzogen“. Ein Angebot gebe es noch nicht.

Milliardenschwere Übernahmen waren in den letzten Wochen an der Tagesordnung, auch um Schering hatte es immer wieder Übernahmegerüchte gegeben. Erst im Februar hatte Erlen gesagt, ein Zusammenschluss mit Merck oder dem Pharmabereich von Altana sei nicht sinnvoll. Um den Aktienkurs zu stützen und den Konzern damit teuer für potenzielle Käufer zu machen, hat Schering ein Aktien-Rückkaufprogramm im Wert von 500 Millionen Euro angekündigt. Schering ist rund zwölf Milliarden Euro wert, das Übernahme-Angebot soll rund 15 Milliarden schwer sein.

Die Übernahme könne durch einen Mix von Instrumenten finanziert werden. Es sei nicht daran gedacht, sich von Merck-Anteilen zu trennen, hieß es in Finanzkreisen. Die rund 130 Familiengesellschafter des im M-Dax notierten Konzerns, die 73 Prozent des Unternehmens halten, wollten Barmittel in Höhe von rund einer Milliarde Euro beisteuern.

Nach Meinung von Analysten ist der Preis sehr hoch, zumal die Übernahme nur in Teilbereichen wie der Krebsforschung Sinn mache. Das könne darauf hindeuten, dass Merck vorhabe, Schering zu zerschlagen, und die Konzernzentrale von Berlin abzuziehen. Nur so würde sich der Kaufpreis amortisieren. Welche Folgen das für den Standort Berlin hat, wo Schering mehr als 6000 Menschen beschäftigt und ein großer Steuerzahler ist, ist völig unklar. Die beiden Spitzenkandidaten für die Berliner Wahlen im Herbst, der Regierende Bürgermeister KausWowereit (SPD) und der CDU-Politiker Friedbert Pflüger, die gut gelaunt zur Echo-Preisverleihung eilten, wollten gestern auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Der Aktienkurs von Schering war in den vergangenen Tagen trotz negativer Nachrichten stark gestiegen. Merck wird von Goldman Sachs und der Deutschen Bank beraten, Schering sucht Rat bei der Investmentbank Morgan Stanley. Erlen sagte, er sei zuversichtlich, dass Schering auch in Zukunft als Pharmaspezialist gut dastehen werde. Das Merck-Angebot werde „umgehend mit dem Aufsichtsrat beraten“. Schering machte 2005 einen Umsatz von 5,3 Milliarden Euro. Merck erzielte 5,9 Milliarden Euro.

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