Politik : Schiavos Eltern gehen erneut vor Gericht

Seit zwölf Tagen wird die Koma-Patientin Terri Schiavo nicht mehr ernährt, an Ostern hatte sie die Letzte Ölung erhalten. Doch jetzt ziehen die Eltern, die den juristischen Kampf um die Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung schon aufgegeben hatten, erneut vor Gericht.

Washington (30.03.2005, 15:27 Uhr) - Mit einer neuen Klage beim Bundesberufungsgericht in Atlanta (US-Staat Georgia) wollen sie erreichen, dass ihre, ohne neue Maßnahmen dem Tod geweihte Tochter doch noch gerettet wird. Das Gericht nahm am Mittwochmorgen die Klage zunächst einmal an. Eine Entscheidung über das Gesuch der Eltern, dass der Fall nochmal vor einem anderen Gericht behandelt wird, wurde noch am Mittwoch erwartet.

Eine kleine, aus drei Richtern bestehende Kammer des Bundesberufungsgericht, hatte aber bereits am vergangenen Wochenende einen ähnlichen Antrag der Eltern abgelehnt. Nun wollen die Eltern vor der gesamten, elf-köpfigen Kammer des Gerichts einen Erfolg erzielen. Die künstliche Ernährung der Komapatientin war auf Antrag ihres Ehemanns Michael Schiavo nach 15 Jahren und zahllosen Prozessen beendet worden. Er hatte betont, dass seine Frau früher mehrfach gesagte habe, sie wolle in einem solchen Zustand der völligen Hilflosigkeit nicht künstlich am Leben erhalten werden.

Am Vortag galt die Hoffnung der Eltern auf ein neues Gesetz in Florida. Der demokratische Bürgerrechtler Jesse Jackson hatte nach einem Besuch der 41 Jahre alten Patientin in dem Hospiz in Pinellas Park vom Senat von Florida gefordert, ein entsprechendes Gesetz doch noch zu verabschieden. Damit könnte Floridas Gouverneur Jeb Bush die künstliche Ernährung wieder anordnen. Der Senat Floridas hatte noch im März mit 21 zu 18 Stimmen gegen ein solches Gesetz gestimmt.

Bürgerrechtler Jackson hatte sich für die US-Öffentlichkeit überraschend auf die Seite zahlreicher religiöser und rechter Gruppen gestellt, die seit Wochen massiv gegen eine Tötung Schiavos agitieren und protestieren. Es sei «unmenschlich, unmoralisch und unnötig», Terri Schiavo verhungern und verdursten zu lassen, sagte Jackson, der selbst ein Geistlicher ist.

Unterdessen sprach sich eine überwältigende Mehrheit der Deutschen im Zusammenhang mit dem Fall der Koma-Patientin für bindende Patientenverfügungen aus. In einer Umfrage für das Hamburger Magazin «Stern» sagten 91 Prozent, es müsse für Ärzte und Gerichte bindend sein, wenn jemand festlegt, dass er als Komapatient keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht. Lediglich 9 Prozent widersprachen dieser Auffassung. Befragt wurden vom Institut Forsa 1001 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger. (tso)

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