Politik : Schießübungen von Neonazis – Dessauer Polizei findet Hinweise

Frank Jansen

Dessau/Berlin - Der Verdacht auf Schießübungen in einem häufig von Neonazis aufgesuchten Bunkergelände bei Wittenberg (Sachsen-Anhalt) hat sich erhärtet. Die Polizei fand am Freitag, wie jetzt bekannt wurde, in dem Waldstück leere Dosen für „Diabolos“, Munition für Luftdruckwaffen. Dass in dem Bunkergelände geschossen wurde, „kann man jetzt unterstellen“, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Dessau am Dienstag dem Tagesspiegel. Die Beamten hätten auch NS-Symbole an Bunkerwänden festgestellt und beseitigt. Die Polizei war nach einem Bericht des Tagesspiegel und dem Fund von Munitionsdosen durch ein Kamerateam des MDR tätig geworden.

Der Fund der Munitionsdosen ist brisant, weil die Polizei möglicherweise im April trotz eines Hinweises aus der Bevölkerung versäumt hatte, dem Verdacht auf Schießübungen von Neonazis nachzugehen. Wie berichtet, hatte ein Spaziergänger einem Polizeihauptkommissar mitgeteilt, mutmaßliche Rechtsextremisten würden in dem Areal „des Öfteren“ schießen. Der Beamte erwähnte die Information kurz in einem Vermerk, weitere Angaben finden sich nicht. Das Landesinnenministerium sagt jedoch, die Polizei habe schon damals intensiv das Bunkergelände abgesucht, aber keine Indizien für Schießübungen entdeckt. Der Fall soll nach dem Willen der Linksfraktion im Landtag demnächst im Innenausschuss behandelt werden. Die Linksfraktion hatte zudem in der vergangenen Woche wegen der mehrere Vorfälle umfassenden Polizeiaffäre einen Untersuchungsausschuss durchgesetzt.

Unterdessen gibt es einen neuen Vorwurf gegen die Polizei. Ein Beamter soll Ende August nach einem rechten Angriff auf Linke in der Stadt Aken eine Bekannte der Opfer obszön beleidigt haben. Die Frau erstattete Anzeige. Der Sprecher der Direktion Dessau sagte, es liefen interne Ermittlungen wegen des Verdachts auf Beleidigung. Frank Jansen

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