Politik : Schiiten schießen aufeinander

Heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Milizen in der heiligen Stadt Kerbela – Prediger al Sadr ruft Anhänger zurück

Bagdad/Kerbela - Die rivalisierenden Schiiten-Parteien im Irak tragen ihren Machtkampf zunehmend mit Waffen aus. In der Pilgerstadt Kerbela kam es am Mittwoch zu heftigen Gefechten zwischen Regierungstruppen, die der schiitische Ministerpräsident Nuri al Maliki in die Stadt geschickt hatte, und Milizionären, die der Bewegung des radikalen Schiitenpredigers Muktada al Sadr zugerechnet werden. Augenzeugen sahen brennende Gebäude und Rauchwolken, die über der Innenstadt aufstiegen. Am Nachmittag verkündete der Nationale Sicherheitsberater, Muwaffak al Rubai: „Die Lage in Kerbela ist wieder unter Kontrolle, alle Gesetzesbrecher sind vertrieben. Unsere eiserne Faust wird jeden treffen, der gegen das Gesetz verstößt.“

Der radikale Schiiten-Prediger al Sadr rief daraufhin seine Miliz zur Ordnung. Hasem al Aradschi, ein Vertrauter des Predigers, erklärte: „Al Sadr hat entschieden, die Aktivitäten der Mahdi-Armee ohne Ausnahme für die Dauer von sechs Monaten zu stoppen.“

Am Vortag hatten während einer schiitischen Wallfahrt in Kerbela Sadr-Anhänger und Wächter der heiligen Stätten aufeinander geschossen. Dabei waren nach Auskunft der Gesundheitsbehörde der Stadt rund 50 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt worden. Al Maliki hatte in der 100 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt eine Ausgangssperre verhängt. Die Sicherheitskräfte halfen Hunderttausenden von Pilgern, die Stadt zu verlassen. Die Pilger waren Anfang der Woche nach Kerbela gekommen, um den Jahrestag der Geburt des Imams Mohammed al Mahdi zu begehen. In der südlich der Hauptstadt gelegenen Stadt Hilla kam es am Morgen zu Gefechten zwischen Sadr-Milizionären und bewaffneten Mitgliedern der schiitischen Partei Hoher Islamischer Rat im Irak (Sciri), bei denen nach Polizeiangaben sechs Kämpfer starben. Auch in Bagdad und in Kufa griffen bewaffnete Schiiten Büros der Partei an.

Unterdessen nahmen US-Soldaten in Bagdad Mitglieder einer iranischen Handelsdelegation vorübergehend gefangen. Die Teheraner Führung legte dagegen Protest ein. Der Vertreter der Schweizer Botschaft, die die diplomatischen Interessen der USA im Iran vertritt, sei deswegen ins Außenministerium einbestellt worden, berichtete der iranische Sender Chabar. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben