Politik : Schill-Partei: Die Gefolgsleute

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Die "Partei Rechtsstaatliche Offensive", das ist in der Öffentlichkeit nur Schill. Die Partei bestehe vor allem "aus Unbedarften und Unzufriedenen", hat der "Spiegel" einmal geschrieben. Etwa 1200 Mitglieder soll sie inzwischen zählen, die nicht nur mit 25 Mandaten in die Bürgerschaft, sondern auch in alle Hamburger Bezirksparlamente eingezogen ist. Die wichtigsten Personen in Schills Umgebung sind zwei Frauen: Die 34 Jahre alte Kauffrau Katrin Freund, die in den USA studiert hat und sich am Wahlabend schon einmal in Sachen Bildung ins Gespräch gebracht hat, und die Psychologin Elfi Horak, die sich in den vergangenen Wochen darum bemüht hat, Schill ein wenig Gemäßigter erscheinen zu lassen.

Einige seiner Gefolgsleute, die in der Regel wenig zu melden haben, haben bereits einige politische Erfahrungen gemacht. So etwa Schills Stellvertreter Mario Mettbach, Hauptmann der Bundeswehr und Speditionskaufmann. Er war früher einmal in der CDU. Danach wechselte er zur Statt-Partei, die 1993 mit 5,6 Prozent der Stimmen in die Bürgerschaft einzog und vier Jahre später wieder in die politische Bedeutungslosigkeit versunken war. Schills Schatzmeister Norbert Frühauf, Nummer drei auf der Bürgerschaftsliste, war auch schon einmal CDU-Parteimitglied und machte sich in mehreren Vereinen nützlich, so als Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerbeverbandes.

Der zum rechten Flügel der FDP zählende ehemalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl erklärte sich am Montag grundsätzlich dazu bereit, auf Schills Angebot hin Justizsenator in Hamburg zu werden. Er werde sich aber nicht der Schill-Partei anschließen, sagte von Stahl der Zeitung "Welt".

Unter den Anhängern Schills sind viele, die mit politischer Arbeit bislang wenig bis gar keine Erfahrungen gesammelt haben. Ilona Kasdepke beispielsweise, eine 40-jährige Kauffrau, die sich zwar "immer schon für Politik interessiert" hat, aber bisher keine Partei gefunden hatte, "die mir aus dem Herzen sprach". Ronald Schill, über den sie zum ersten Mal in der "Neuen Revue" gelesen habe, habe ihr dagegen gleich gefallen, sagt Kasdepke. "Ich habe ihn angerufen und gesagt: Falls Sie eine Partei gründen, bin ich dabei." Warum sie sich dazu entschlossen habe? "Weil unser Rechtssystem nicht mehr stimmt", meint sie. Und weil die großen Parteien, vor allem die SPD, zu borniert seien und nicht mehr wüssten, was Bürgernähe heißt. "Wichtig ist, dass wir alle zusammenhalten; schließlich hatten wir alle ein Ziel - einen Innensenator Schill."

Darüber hinaus sind die Schill-Anhänger weitgehend unbekannt. Rentner, Juristen und Kaufleute sind unter den frisch gewählten Abgeordneten jedoch am häufigsten vertreten.

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