Politik : Schillernde Geschäfte

Werbemanager sollen 50 Millionen Euro veruntreut haben – und bringen damit Hessens Europaminister Volker Hoff in Bedrängnis

Christoph Schmidt Lunau[Wiesbaden]

Ein Spitzenmanager der Medienbranche, der im noblen Wiesbadener Kurhaus regelmäßig mit den Reichen und Mächtigen feierte, sitzt seit Oktober in Untersuchungshaft: Aleksander Ruzicka soll mehr als 50 Millionen Euro veruntreut haben. Unter dem Aktenzeichen JS 26113/05 ist die Wiesbadener Staatsanwaltschaft nach Tipps eines offenbar gut informierten Anonymus einem Geflecht aus Tarnfirmen und Scheingeschäften auf die Spur gekommen.

Dieser Medien- und Wirtschaftskrimi führt in die Umgebung des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch: Der Medienkaufmann Reinhard Zoffel, langjähriger Geschäftspartner von Roland Kochs Europaminister Volker Hoff, soll Ruzicka bei krummen Geschäften geholfen haben. Als im September vergangenen Jahres Staatsanwälte die noble Zentrale der damals gemeinsamen Werbeagentur Zoffel, Hoff und Partner durchsuchten, war der Minister noch Miteigentümer.

Hauptbeschuldigter ist Aleksander Ruzicka. Er war der schillernde Big Boss der milliardenschweren Aegis-Media in Wiesbaden, die für solvente Kunden Werbespots in Rundfunk und Fernsehen bucht. In der Branche ist es üblich, dass die Medienunternehmen, gleichsam als Mengenrabatt, zusätzlich unentgeltliche Werbezeiten an die Vermittler abgeben. Der Vorwurf gegen Ruzicka und rund 20 seiner ehemaligen Mitarbeiter: Über Tarnfirmen seien diese eigentlich der eigenen Firma zustehenden Werbezeiten weiterverkauft worden, das Geld hätten die Manager und ihre Helfer über Tarnfirmen privat kassiert. Ruzicka bestreitet die Vorwürfe, doch vor dem Oberlandesgericht musste er eine erste Schlappe hinnehmen. Eine Zivilkammer räumte der mutmaßlich geschädigten Unternehmensgruppe Aegis Pfändungsrechte auf das Privatvermögen von 13 Beschuldigten ein. Dabei geht es um stattliche Rückforderungen zwischen 153 000 und 4,1 Millionen Euro.

Bei Ruzickas Machenschaften soll Zoffel, Hoff und Partner laut Staatsanwaltschaft geholfen haben. Medienkaufmann Zoffel bestreitet die Vorwürfe. In dieser Branche seien Geldtransaktionen ohne schriftliche Verträge gängige Praxis, erläutert sein Verteidiger, Rainer Hamm. Sein Mandant sei immer davon ausgegangen, dass Ruzicka alle Geschäftsvorgänge im Namen und zugunsten seines Arbeitgebers abgewickelt habe, sagte Hamm dem Tagesspiegel.

Staatsminister Hoff erklärt lediglich, dass er in diesem Verfahren nicht Beschuldigter, sondern Zeuge sei. Er hatte seine Geschäftsanteile kurz nach der Durchsuchung im Herbst 2006 an den ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Steiger verkauft. Hoff war von dem anonymen Informanten ebenfalls beschuldigt worden.

Das CDU-nahe Kommunikationsunternehmen rühmt sich vor allem seiner Erfolge in der „Königsklasse“ der PR, der politischen Kommunikation: Für CDU und ÖVP habe man „Hunderte von Wahlkämpfen“ bestritten, heißt es auf der Homepage. Zu den prominenten Kunden zählten neben Roland Koch auch Helmut Kohl und Jürgen Rüttgers. Sollten an dem Chef dieser Agentur strafrechtliche Vorwürfe hängen bleiben, wäre das schlecht für die CDU und Ex-Partner Hoff. Der Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, Jürgen Walter, hat den Minister bereits zum Rücktritt aufgefordert. Es sei kaum vorstellbar, dass der CDU-Politiker als Eigentümer und Geschäftsführer von den Machenschaften nichts mitbekommen haben soll. CDU-Fraktionsgeschäftsführer Axel Wintermeyer wies die Rücktrittsforderung als unlauter zurück.

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