Politik : Schily entlässt BKA-Chef

Kersten muss nach Umzug-Streit gehen / Nachfolger aus Kiel

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Berlin (bib). Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat den Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Ulrich Kersten, entlassen. Zugleich übernahm Schily die volle Verantwortung dafür, dass der Umzug von Teilen des BKA nach Berlin am Widerstand der Behörde vorerst gescheitert ist. Für sich selbst lehnte der Minister Konsequenzen ab. Auch von Gerüchten über eine Kabinettsumbildung fühle er sich „nicht angesprochen“.

Schily berief den Leiter der Polizeiabteilung im Kieler Innenministerium, Jörg Ziercke, zum neuen BKAChef. Der erst im November 2003 zum BKA-Vize berufene Rudolf Atzbach muss ebenfalls seinen Stuhl räumen, während der zweite Stellvertreter, Bernhard Falk, auf seinem Posten bleibt. Kersten soll nach Schilys Worten nicht im einstweiligen Ruhestand bleiben, sondern eine internationale Position übernehmen. Die Entlassung sei nicht Folge mangelnder fachlicher Qualifikation, sondern „objektiver Umstände“.

Schily betonte, für alle Entscheidungen und Fehleinschätzungen trage er die Verantwortung. Er machte aber zugleich deutlich, dass er an der Absicht festhält, beim BKA „Veränderungen“ vorzunehmen. Erneute Forderungen aus Hessen und NRW, die BKA-Standorte Wiesbaden und Meckenheim unverändert zu belassen, wies er als unzulässige Einmischung in seine Kompetenzen ab. Belange der Mitarbeiter müssten beachtet werden, doch gäben polizeifachliche Überlegungen am Ende den Ausschlag.

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