Politik : …Schirinowskij das Maul hält

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Auf der steten Suche nach jenen kleinen Gerechtigkeiten, die das Leben bereit hält, damit es höchstselbst nicht nur aus Arbeitslosenquoten, VisaAffären und Feinstaubrichtwerten bestehen muss, schweift unser Blick heute nach Moskau, in die Staats-Duma. Dort wurde an diesem Mittwoch, ja, so schön handfest kann der Parlamentarismus in Russland sein, dem Ultranationalisten Wladimir Wolfowitsch Schirinowskij die Fresse poliert. Wir freuen uns!

Die Fresse poliert – bitte, das ist normalerweise nun wirklich nicht unser Sprachgebrauch. Kolumnen, wie „Der Tag, an dem…“ sind schon vertraglich zu Gewaltverzicht verpflichtet. Nie würde es uns deshalb an dieser Stelle einfallen, derberen Polit-Charakteren im Deutschen Bundestag wie, sagen wir, Michael Glos (CSU) oder – um hier gleich entschiedene Ausgewogenheit dokumentieren zu können – Ludwig Stiegler (SPD) zu wirtshausmäßigen Argumentationsstil zu raten, obwohl das durchaus seinen Charme hätte.

Im Gegenteil. Naserümpfende Galligkeit, gepaart mit Abhandlungen über die Grenzen des staatlichen Gewaltmonopols auch bei weitester Auslegung der Freiheit des Abgeordnetenmandats wären den beiden, dem Glos Michel und dem Stiegler Luigi, gewiss – und zwar drei Spalten weiter rechts von hier, und bestimmt auch eleganter formuliert.

Gut so. Jetzt zur Gerechtigkeit. Aus Platzgründen, Parteilichkeit und Plausibilität konzentrieren wir uns hier auf die Darstellung des Liberaldemokraten Andrej Saweljew. Danach muss Schirinowskij in der Duma mit den Worten „Ich werde dir die Fresse eintreten“ auf ihn zugekommen sein, worauf Saweljew gesagt hat: „Versuchs doch!“ Um der ganzen Sache auch mal etwas Positives abzugewinnen: Für einen parlamentarischen Disput war das angenehm kurz.

Danach blieb es, was Schirinowskij angeht, beim Versuch. Saweljew hingegen brachte eine zünftige Watschn ins Ziel, wobei ihm dem Vernehmen nach seine Ausbildung als Karate-Sportler recht nützlich gewesen sein soll, die er begonnen hatte, nachdem er sich zwei Jahre zuvor schon einmal in einem TV-Studio mit Schirinowskij prügeln musste. Damals hatte Schirinowskij, nach überstandenem Infight recht erregt, seine Leibwächter angewiesen, Saweljew zu erschießen, was die allerdings unterließen, wohl auch wegen der laufenden Fernsehkameras.

Heute ist der Tag, an dem für Schirinowskij ein vierwöchiges Redeverbot im russischen Parlament beginnt. Als gelernte Demokraten begrüßen wir das natürlich mit Nachdruck! Aber klammheimlich würden wir Schirinowskij schon gerne zuraunen: „Komm, Wladimir, den packst du doch!“ Vbn

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