Schlacht bei den US-Demokraten : Hillary Clinton – zum Siegen verdammt

Vorwahlkampf bei den Demokraten: Hillary Clinton Strategie liegt in Trümmern, Barack Obamas Siegeszug scheint kaum noch zu bremsen. Doch einige Beobachter beschleichen Zweifel, ob neben brillanter Rhetorik auch genug Substanz vorhanden ist.

Amir El-Ghussein[Peter Wütherich]
Hill
Hillary Clinton braucht eine neue Strategie. -Foto: AFP

BerlinNach der zehnten Niederlage in Folge steht Hillary Clinton mit dem Rücken zur Wand. In einem frühen Stadium des Wahlkampfes hat sie ihren Bill instrumentalisiert, um ihren Konkurrenten anzugreifen - nur um sich im TV-Duell von den Aussagen ihres Mannes zu distanzieren. Doch die heftigen Attacken wurden vom Wähler nicht goutiert. Danach folgte eine Annäherung an Obama, schließlich hätten ja beide Demokraten das gemeinsame Ziel die Republikaner abzulösen. Dann musste sie Pleiten in Louisiana, Nebraska und Maine einstecken, was zur Demission der Wahlkampfmanagerin und der Vize-Managerin führte. Eigene Stärke lässt sie vermissen, reagiert eher, als dass sie agiert. Was noch schlimmer wiegt: Der Makel einer Verliererin haftet ihr nach dem Siegeszug Obamas an.

Mehr Rhetorik statt Substanz

Den Aufstieg verdankt Obama seinem kunstfertigen Umgang mit den Hoffnungen und Sehnsüchten der US-Wähler. Er hat sich buchstäblich nach oben geredet. Obama artikuliert kraftvoll den weit verbreiteten Wunsch nach einem politischen Umbruch in den USA und verzaubert damit das Publikum. Obamas Gegner haben in seiner rhetorischen Stärke indes eine Schwäche ausgemacht. Hier setzt Hillary Clinton neue, aggressive Strategie an: Sie versucht, Obama als substanzlosen Schönredner zu entlarven. "Ich bin im Geschäft mit Problemlösungen, mein Gegner im Geschäft mit Versprechungen", sagt sie. "Es gibt einen Unterschied zwischen schönen Reden und politischen Lösungen."

Es sind keine bescheidenen Ziele, die Obama in seinen Reden formuliert: "Wir werden dieses Land erneuern und die Welt verändern", sagte er in Wisconsin. Der Jubel der Fans ist ihm sicher, bei distanzierteren Beobachtern wachsen Zweifel. Den Kolumnisten Joe Klein vom Magazin "Time" erinnert Obamas Aufstieg an eine "Messiasbewegung", die "etwas unheimlich" werde. Klein kritisiert den Demokraten als selbstbezogen: "In Obamas Wahlkampf geht es zu oft nur darum, wie toll Obamas Wahlkampf ist." Paul Krugmann von der "New York Times" warnt: "Obamas Kampagne nähert sich gefährlich einem Personenkult." Der Politikanalyst David Ignatius von der "Washington Post" bemängelt: "Was Obama als Präsident tatsächlich tun würde, bleibt in zu vielen Bereichen ein Geheimnis."

Keine Chance gegen das Phänomen Obama

Bislang ist es Clinton freilich nicht gelungen, das Phänomen Obama zu entzaubern. Auch Kritiker von der politischen Rechten halten es für möglich, dass die Welle der Begeisterung den Senator bis ins Weiße Haus trägt. Der konservative Kolumnist Charles Krauthammer von der "Washington Post" schreibt: "Ich kann mir vorstellen, dass Obama den Zauber noch bis zum Tag der Amtseinführung aufrecht erhalten kann. Dann wird es ein Erwachen geben, und zwar ein böses."

Hillary Clinton kann ihren Herausforderer noch stoppen, aber die nächsten Vorwahlen am 4. März werden von entscheidender Bedeutung sein. In Texas, Ohio, Vermont und Rhode Island werden so viele Delegierten gewählt, dass Clinton hier das Blatt noch wenden könnte.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar