Politik : Schlacht mit Ordnung

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

„Unsere Partei“, hat der Parteichef neulich mit geschwellter Brust verkündet, „ist gut aufgestellt.“ Welcher Parteichef das war, ist schnurz; alle Parteichefs verkünden neuerdings, dass ihre Parteien „gut aufgestellt“ seien. Wer glaubt, das sei nur so ein Modewort, unterschätzt unsere Parteioberen. Wenn sie früher nie so geredet haben und jetzt dauernd – dann steckt mehr dahinter.

Gehen wir auf Spurensuche. Ethymologisch stammt das Wort aus dem Militärischen. Lange bevor jemand daran dachte, Schachfiguren oder Fussballspieler aufzustellen, hat man Krieger aufgestellt. Nun können wir dabei höchst aufschlussreiche historische Veränderungen vermerken. Früher hat ein Parteichef verkündet: „Die CDU steht gut da“ (z.B. Helmut Kohl, Parteitag Leipzig 1998). Das gab das Statische jener Tage sehr gut wieder – die CDU ein Block in der Landschaft, solide, jedoch unbeweglich. Militärhistorisch entspricht dies der ältesten Taktik der Menschheit: Alle schnappten sich einen Knüppel, stellten sich in zwei Haufen gegenüber und gingen auf Kommando aufeinander los. Gewonnen hat meist der größere Haufen. Das hat die Feldherren der kleineren Haufen gewurmt. Und so haben sie angefangen nachzudenken, ob man nicht die größeren Scharen durch geschickte – sic! – Aufstellung der eigenen kleinen Häuflein ins Hintertreffen bringen kann. Der Trick erwies sich als voller Erfolg. Von da an nahm die Militärhistorie ihren bekannten Lauf bis ungefähr zum Alten Fritzen. In dessen Tagen hat man die Füsiliere und Grenadiere noch in Schlachtordnung aufgestellt. Danach hat sich die Kriegskunst eher in Richtung Mobilität und Flexibilität weiterentwickelt. Wir lernen also: Unsere Parteichefs sind jetzt beim Stand ungefähr des Alten Fritzen angekommen. Immerhin!

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