Politik : Schlag gegen Attas Hintermänner

Razzia bei mutmaßlichen Terroristenhelfern in Norddeutschland / Firmenchef soll Islamisten eingeschleust haben

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Berlin. Einen Tag vor dem 11. September haben die Sicherheitsbehörden am Dienstag einen Schlag gegen mutmaßliche Hintermänner der Terrorpiloten Mohammed Atta, Marwan Al Shehhi und Ziad Jarrah geführt. Auf Antrag von Generalbundesanwalt Kay Nehm wurden in Schleswig-Holstein drei Wohn- und Lagerräume der Import-/Exportfirma eines Deutsch-Syrers durchsucht. In Hamburg galt die Razzia einem Steuerberaterbüro. An dem Einsatz beteiligten sich insgesamt 250 Beamte des Bundeskriminalamts, des Bundesgrenzschutzes und der Landeskriminalämter Schleswig-Holstein und Hamburg. Über das Ergebnis der Polizeiaktion wurde zunächst nichts bekannt. In Sicherheitskreisen war allerdings zu hören, warum die Razzia direkt vor dem Jahrestag des Terrorangriffs stattfand: Der militanten Islamistenszene sollte signalisiert werden, „ihr seid weder vor noch am 11. September in Sicherheit“. In den letzten Wochen hatten die Behörden gewarnt, Terroristen könnten zum Jahrestag Anschläge vorbereiten.

Die Beamten durchsuchten in Neumünster, Fitzbek und Moordiek die Privat- und Geschäftsräume der Familie des Deutsch-Syrers Abdul-Martin T., der die Import-/Exportfirma „Tatex Trading GmbH“ betreibt. Das 1978 gegründete Unternehmen mit Sitz in Moordiek (Kreis Steinburg) verkauft billige Textilien und Haushaltswaren, vor allem Porzellan. Die Waren werden auch nach Saudi-Arabien exportiert. Nach Erkenntnissen des Generalbundesanwalts soll die Firma jedoch nur der „Deckmantel“ für eine kriminelle Vereinigung sein. Nehm wirft Abdul-Martin T., dessen Ehefrau und den beiden Söhnen vor, sich an der Schleusung militanter Islamisten beteiligt zu haben.

Nach Informationen des Tagesspiegels wird T. unter anderem verdächtigt, Mohammed Atta ein Auto besorgt zu haben, mit dem er auch im Ausland unterwegs war. Atta hatte als Kopf der Hamburger Al- Qaida-Zelle die Anschläge des 11. September mitgeplant und dann auch das erste Passagierflugzeug ins World Trade Center gesteuert. Kurz vor dem Terrorangriff traf sich Atta mit Al-Qaida-Leuten in Spanien. Die Familie T. soll auch Kontakte zu den Deutsch-Syrern Mamoun Darkazanli und Mohammed Haydar Zammar unterhalten.

Darkazanli betreibt in Hamburg ebenfalls eine Import-/Export-Firma und gilt als möglicher Finanzier der Atta-Gruppe. Dennoch befindet sich Darkazanli weiter auf freiem Fuß. Zammar soll Atta und Komplizen als eine Art „Pate“ mit Al Qaida zusammengebracht haben. Der Deutsch-Syrer setzte sich im Oktober 2001 aus Deutschland ab und sitzt jetzt in Syrien in Haft. Dort soll er umfassend ausgesagt haben – offenbar auch über das Treiben von Abdul-Martin T. und dessen Familie. Frank Jansen

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