Politik : Schlagartig ein Fanatiker

Ex-Frau des Angeklagten sagt in Terrorprozess aus

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Ihr Leben wurde unerträglich. „In der Wohnung hingen überall Koransprüche“, sagt die ExFrau des Angeklagten, „es durften keine Kerzen und Fotos aufgestellt werden, nichts von meinen Eltern und meinem Bruder“. Die 33-Jährige spricht am Mittwoch vor dem Berliner Kammergericht über die zerbrochene Ehe mit dem terrorverdächtigen Tunesier Ihsan G., der sich offenbar in kurzer Zeit zum Islamisten wandelte. Als sie G. beim Urlaub 1995 in Tunesien kennen lernte, sagt die deutsche Frau, „war er ein netter, aufgeschlossener junger Mann“. Ihsan habe geraucht, Alkohol konsumiert, Schweinefleisch gegessen und nie gebetet. Doch in Deutschland, nach der Heirat 1996, erlebte die Frau einen rapiden Wandel. Ihr Mann sei Ende 1996 in Belgien gewesen und „schlagartig“ verändert zurückgekommen. Auf der Reise habe ihn ein tunesischer Freund „zum Islam zurückgeführt“, zitiert die Frau den Ex-Mann. Ihsan G. hört mit strengem Blick, aber schweigsam im Panzerglaskasten zu.

Vier Wochen nach Beginn des Prozesses gegen den Tunesier, der im Auftrag von Al Qaida Anschläge in Deutschland geplant haben soll, bringt der Auftritt der einstigen Ehefrau etwas Licht in die Vita des Bärtigen. Auch wenn die Zeugin über die mutmaßlichen Terroraktivitäten nichts weiß. Aber sie beschreibt den Fanatismus: „Alles was amerikanisch war, war schlecht, doof, blöd.“ Sie habe sogar befürchtet, ihr Mann wolle die 1999 geborene Tochter nach Tunesien entführen. Im selben Jahr verließ die Frau die gemeinsame Wohnung in Berlin, 2003 wurde die Ehe geschieden. Das letzte Mal meldete sich G. im Frühjahr 2001. Er rief aus Saudi-Arabien an und wünschte kryptisch „für die Zukunft alles Gute“. Die Frau klingt noch heute überrascht.

Der Angeklagte bleibt unberechenbar. Vor der Aussage der Frau gibt G., der wochenlang stumm blieb, den Besitz einer Waffe und eines falschen Passes zu. Und bekennt sich zu einem brisanten Notizzettel. Darauf hatte er handschriftlich Chemikalien notiert. Was G. nicht sagt: Sie taugen zur Produktion von Sprengstoff.

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