Politik : Schlangenwesen

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ob bei Regen oder Sonnenschein: So ein Sommerfest bietet Gelegenheit, den Politiker als soziales Tier zu erleben. Nun gibt es derzeit jede Menge Sommerfeste in Berlin, weshalb wir eines herausgreifen wollen, das die Differenzierung der Politiker-Typen besonders erhellt. Warum? Weil sich vor den Toren eine endlose Schlange gebildet hatte. Ist der Politiker also bereit, sich anzustellen und zu warten, ehe er in Genuss von Freibier, Gratisprosecco und kostenlosen Würstchen gelangt? Bei den Liberalen waren drei Typen zu besichtigen. Erste Verhaltensweise: Ich bin prominent, es gibt einen Prominenten-Eingang, da gehöre ich hin, die Warteschlange kann mir gestohlen bleiben. Guido Westerwelle, der Parteichef, entschied sich für diese Variante. Zweite Verhaltensweise: Ich bin ziemlich prominent, die Schlange ist lang, anstellen ist etwas für Leute, die mehr Zeit haben als ich – was mache ich jetzt nur? Ich gehe mal ganz vorn an den Anfang der Schlange und husche mit durch, als Semiprominenz im Normal-Eingang. Wir wissen nicht, ob dies seine Gedanken waren, FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt entschied sich jedenfalls für diese Variante. Drittes Verhaltensmuster: Oh! Das ist aber eine lange Schlange! Haben wir es eigentlich eilig? Nicht wirklich. Gut, stellen wir uns also an. Ganz hinten, mit dem Volk. Günter Rexrodt, Ex-Wirtschaftsminister und Schatzmeister der Liberalen, entschied sich so. Nun darf spekuliert werden, ob hinter dieser zufälligen Beobachtung Tieferes und Erhellenderes über das Wesen des Politikers im Allgemeinen und der Genannten im Besonderen steckt. Wir jedenfalls hatten erwartet: Gerhardt stellt sich an, Rexrodt mogelt sich durch.

0 Kommentare

Neuester Kommentar