Schleswig Holstein : CDU-Vorsitzender de Jager tritt zurück

Der schleswig-holsteinische CDU-Vorsitzende De Jager zieht die Konsequenz aus mangelndem Rückhalt in der Partei und gibt seinen Rücktritt bekannt.

Ex-Landesvorsitzender der schleswig-holsteinischen CDU, spricht am 08.01.2013 auf einer Pressekonferenz in Kiel zu den Journalisten.
Ex-Landesvorsitzender der schleswig-holsteinischen CDU, spricht am 08.01.2013 auf einer Pressekonferenz in Kiel zu den...Foto:dpa

Der schleswig-holsteinische CDU-Vorsitzende Jost de Jager tritt nach nur eineinhalb Jahren im Amt zurück. Er werde den Vorsitz am Donnerstag nach der nächsten Sitzung des erweiterten Landesvorstands niederlegen, kündigte de Jager am Dienstag in Kiel an. Als Grund für seine überraschende Entscheidung verwies der 47-Jährige auf mangelnden Rückhalt aus seiner eigenen Partei in den vergangenen Monaten.
"Ein wirklich starkes Signal des Rückhalts und der Geschlossenheit ist ausgeblieben“, sagte de Jager. Er habe deshalb über den Jahreswechsel nach Gesprächen mit seiner Familie die persönliche Entscheidung getroffen, sich ganz aus der Politik zurückzuziehen. „Ich werde eine persönliche Auszeit nehmen und habe danach vor, mich anderen beruflichen Aufgaben zu widmen“. Er gehe „ohne Groll“, betonte er. Die jetzige Situation nütze aber weder ihm noch der CDU.
Die Kieler CDU-Führungsspitze reagierte bestürzt. „Der Rücktritt ist ein schwerer Schlag für die CDU Schleswig-Holstein. Es trifft die Partei in einer Zeit, in der sie damit begonnen hatte, sich neu aufzustellen“, erklärte der stellvertretende Parteivorsitzende Ingbert Liebing am Dienstag nach der Sitzung des geschäftsführenden Landesvorstands, auf dem de Jager seinen Entschluss offiziell verkündet hatte. Der Vorstand hätte ihn gern als Parteichef behalten.
De Jager hatte die Führung der Nord-CDU vor rund als eineinhalb Jahren nach dem Rücktritt des damaligen Vorsitzenden Christian von Boetticher übernommen, der über eine Affäre mit einer Minderjährigen gestolpert war. De Jager führte seine Partei auch als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2012, bei der sie die Regierungsverantwortung verloren hatte. In den vergangenen Monaten musste de Jager parteiinterne Schlappen hinnehmen.

Er setzte sich bei der Bewerbung um ein Direktmandat für die Bundestagswahl in seinem Wahlkreis nur knapp durch. Auch sein Wiederwahl-Ergebnis bei einem Parteitag im November war nicht gut.
Zusätzlich erschwert worden war dem früheren Landes-Wirtschaftsminister sein Parteiamt durch den Umstand, dass er keinen Sitz im Kieler Landtag hatte und als rein ehrenamtlicher Politiker agierte. Er habe „seinen Teil der Verantwortung“ 18 Monate getragen und versucht, die Partei zu erneuern, sagte de Jager. „Das ist mir nicht immer leicht gemacht worden.“

Zu möglichen Nachfolgern de Jagers wollte sich Parteivize Liebing am Dienstag nicht äußern. Die Führungsgremien der Partei würden in Ruhe das weitere Vorgehen beraten, sagte der Bundestagsabgeordnete aus Nordfriesland. „Es wird keine Schnellschüsse geben.“ Die Parteiführung plane, bis Ende Januar geeignete Kandidaten zu benennen und diese im Februar der Parteibasis vorzustellen. Die Wahl des neuen Vorsitzenden solle dann auf dem bereits geplanten Parteitag am 16. März erfolgen. (AFP)

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