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Schleswig-Holstein : De Jager soll CDU-Spitzenkandidat im Norden werden

Nach dem Rücktritt von Christian von Boetticher setzt die schleswig-holsteinische CDU-Spitze auf den Kieler Wirtschafts- und Verkehrsminister Jost de Jager als neuen Spitzenkandidaten und Parteichef.

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Viele offene Fragen. Journalisten interviewen am Dienstag den schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Jost de Jager, der nun den CDU-Parteivorsitz übernehmen soll.
Viele offene Fragen. Journalisten interviewen am Dienstag den schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Jost de Jager, der nun...Foto: Reuters

Schleswig-Holsteins CDU steht nach dem Rückzug ihres Partei-und Fraktionsvorsitzenden Christian von Boetticher vor einem personellen Neuanfang. Wirtschaftsminister Jost de Jager soll neuer CDU-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat seiner Partei bei der Landtagswahl im Mai 2012 werden. Dafür votierte am Dienstagabend einstimmig der Landesvorstand in Kiel. Bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden konnte eine Kampfkandidatur offenbar vermieden werden. Nach Informationen des NDR wird soll künftig der bisherige Finanzminister Rainer Wiegard die Fraktion führen. Er sei der ausdrückliche Wunschkandidat des noch amtierenden Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Der bisherige Staatssekretär im Finanzministerium, Olaf Bastian, könnte Wiegard im Ministeramt folgen. Andere mögliche Kandidaten wie etwa Hans-Jörn Arp, der am Dienstag Interesse angemeldet hatte, würden ihre Bewerbungen zurückziehen, um das Bild einer zerstrittenen Fraktion zu vermeiden, hieß es nach einer Fraktionssitzung am Dienstag. Gewählt werden soll am Donnerstag. Nach dem Boetticher-Desaster ist Geschlossenheit oberste Prämisse.

Jost de Jager soll auf einem Sonderparteitag am 24. September zum Landesvorsitzenden gewählt werden, als Datum für die Wahl zum Spitzenkandidaten wurde in Kiel der 4. November genannt. Eine zuvor von der Parteibasis ins Gespräch gebrachte Urwahl scheint damit vom Tisch. Sie wäre wegen des Zeitdrucks vor der Wahl im kommenden Jahr kaum zu organisieren gewesen.

„Ich freue mich auf diese Aufgabe“, sagte de Jager am Dienstagabend. Er soll sich in Regionalkonferenzen im kommenden Monat der Basis vorstellen, ehe der Sonderparteitag seine Inthronisierung beschließt. De Jager hatte am Dienstagnachmittag bereits an einer mehrstündigen Fraktionssitzung teilgenommen, obwohl er eigentlich gar kein Abgeordnetenmandat besitzt. Beobachter sahen darin das Signal, dass er der künftige starke Mann werden soll und ab sofort in alle Handlungsschritte eingebunden wird.

Christian von Boetticher fehlte bei der Zusammenkunft der Faktion. Er verkündete per E-Mail an alle Fraktionskollegen seinen Rücktritt und begründete sein Nichterscheinen mit dem Medienrummel, der ihn nun zu einem Gejagten gemacht habe. Interviews seiner früheren minderjährigen Freundin befeuerten diesen Zustand noch. Immer mehr Zweifel tauchen am Wahrheitsgehalt der Rücktrittserklärung von Boettichers vom vergangenem Sonntag auf. Seine Aussage, er habe während der Liaison im Vorjahr mit dem Mädchen aus der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen keine andere Beziehung gehabt, ruft Erstaunen hervor, war die frühere CDU-Sprecherin in Hamburg, Anna Christina Hinze (34), doch seine jahrelange Lebensgefährtin. Laut Medienberichten heirateten die beiden sogar im vergangenen Herbst heimlich in den USA. Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag veröffentlichte am Dienstag im Internet die Nummer der dort hinterlegten Heiratsurkunde.

Auf den Fluren des Kieler Landeshauses hält sich weiterhin das Gerücht, dass die Informationen über die beendete Liebesbeziehung zu dem Mädchen aus den eigenen Reihen an die Öffentlichkeit getragen wurden. Das wollte man seitens der Union nicht kommentieren. Hans-Jörn Arp hält Boettichers politische Karriere nicht zwangsläufig für beendet. Er wolle ein Comeback des Juristen nicht ausschließen, sagte Arp dem Deutschlandfunk.

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