Schleswig-Holstein : Linke hoffen auf Einzug in den Kieler Landtag

Die Linke in Schleswig-Holstein rechnet sich Chancen aus, beim vorgezogenen Wahlgang in sechs Wochen erstmals in den Kieler Landtag einzuziehen. Die Umfragen lassen die Partei-Genossen hoffen.

Dieter Hanisch

Kiel - Es ist das einzige norddeutsche Landesparlament, in dem sie noch nicht vertreten ist. In den jüngsten Umfragen wird der Partei ein Wert um die fünf Prozent attestiert – somit zeichnet sich am 27. September eine Zitterpartie ab.

Der nördlichste Landesverband gilt innerhalb der Partei als äußerst zerstritten. Eine größere Gruppierung der Kommunistischen Plattform ist dabei nur eine von mehreren Strömungen. Für die verschiedenen Lager war die Besetzung der Landesliste am Sonntag daher von entsprechender Wichtigkeit. Als Spitzenkandidatin wurde mit Antje Jansen eine ehemalige Landessprecherin der Grünen gleich im ersten Wahlgang gekürt. Listenplatz zwei belegt mit Heinz-Werner Jezewski ein Vertreter, der keiner Parteirichtung zuzuordnen ist. Er setzte sich allerdings erst in einer Stichwahl durch. Das Spitzenduo bekräftigte, dass es bei einer Regierungsfindung auf keinen Fall den SPD-Landeschef Ralf Stegner zum Ministerpräsidenten wählen würde.

Als Gastredner sprach der Bundesvorsitzende Oskar Lafontaine auch von der bundespolitischen Bedeutung, wenn die Linke nacheinander im Saarland und in Schleswig-Holstein in zwei weitere Landesparlamente einziehen könnte. Am Rande des Parteitages waren jedoch weiterhin Animositäten untereinander zu spüren, obwohl die Landessprecherin Cornelia Möhring zur Geschlossenheit und regionalen Ausgewogenheit bei der Aufstellung der Landesliste aufrief. Bei Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde winken den Linken drei Mandate. Je nach Ausgang der Listenwahlen kündigten Mitglieder bereits an, die Partei verlassen zu wollen. Einzelne Kreisverbände unterstützen den Landesvorstand bereits seit geraumer Zeit nicht mehr. Aus Lübeck war zu hören, dass Beschlüsse der örtlichen Gremien regelmäßig mit Anfechtungen vor den eigenen Parteigerichten enden. In Dithmarschen und Lübeck machte die Linke zuletzt durch persönliche Intrigen Schlagzeilen.

Die Grünen wählten derweil die Finanzexpertin Monika Heinold auf Platz eins ihrer Liste. Die Partei grenzte sich scharf von CDU und FDP ab, kritisierte aber auch den früheren Koalitionspartner SPD. Je nach Ergebnis wollen sie mit allen Parteien über ein mögliches gemeinsames Regieren sprechen. Dieter Hanisch

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