Schlichter : Geißler glaubt nicht mehr an Großprojekte

Er soll im Streit um Stuttgart 21 schlichten, doch Heiner Geißler glaubt nicht mehr an die Durchsetzbarkeit von Großprojekten. Die Bahn schreibt indessen weiter für den Bahnhof aus.

Stuttgart - Der Schlichter im Streit um den Bahnhof Stuttgart 21, Heiner Geißler, (CDU), hält ähnliche Projekte in der Zukunft für kaum noch durchsetzbar: „Es wird keine Regierung mehr geben, die ein solches Projekt in dieser Weise durchzieht,“ sagte er der „Zeit“. „Die Politik wird gezwungen sein, nicht nur die technologischen und ökonomischen Vorteile zu sehen.“ Unabhängig von einer Schlichtung sehe die Welt „nach Stuttgart 21 auf jeden Fall anders aus als vorher“.

Den Beginn der Vermittlungsgespräche zu dem Bahnprojekt peilt Geißler für den Freitag an. „Die Vorgespräche sind fast abgeschlossen“, sagte der frühere CDU-Generalsekretär am Mittwochabend der Nachrichtenagentur dpa.

Ein Bahn-Sprecher bestätigte unterdessen, dass das Unternehmen im europäischen Amtsblatt TED zwei weitere Aufträge für „Stuttgart 21“ zum Bau von Tunneln, Schächten und Unterführungen ausgeschrieben hat. Der Abgabetermin für Angebote ist bereits der 25. Oktober. Zudem wurde bekannt, dass der Südflügel des Hauptbahnhofs – für den die Bahn und die Landesregierung eine Unterbrechung des Abrisses zugesagt hatten – eigentlich erst in zwei Jahren abgerissen werden sollte. Das Verkehrsministerium bestätigte, dass der faktisch notwendige Termin dafür der 20. August 2012 war. Da Mieter schneller als geplant geräumt hätten, habe man den Abbruch an den des Nordflügels anschließen wollen – dies aber nun revidiert. Ministerpräsident Mappus hatte von einem „deutlichen Signal“ gesprochen.

Das Stuttgarter Katharinenhospital erklärte am Mittwoch, dass der 66-jährige Demonstrant, der von Wasserwerfern an den Augen verletzt worden war, auf einem Auge erblindet sei und auf dem anderen nur noch grobe Umrisse erkenne.

Zu der nächsten Montagsdemo gegen das Bahnprojekt wollen Atomkraftgegner aus Gorleben und dem Wendland mit Traktoren nach Stuttgart fahren und dort mit gegen „das Vorgehen der politischen Klasse, die Profit- und Renommierinteressen gegen die Bürger durchzusetzen", demonstrieren, hieß es. Tsp

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