Politik : Schlüsselfigur in Mubaraks Regime

Ägyptens Ex-Präsident ernannte ihn noch zum Vizepräsidenten. Nun ist der ehemalige Geheimdienstchef Omar Suleiman gestorben.

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Hatte noch etwas vor. Im April bewarb sich Omar Suleimann noch als Kandidat für die Präsidentenwahl.
Hatte noch etwas vor. Im April bewarb sich Omar Suleimann noch als Kandidat für die Präsidentenwahl.Foto: dapd

Kairo - Er verkündete das Ende des Mubarak-Regimes. Als Vizepräsident Omar Suleiman am 12. Februar 2011 um 17.07 Uhr mit steinerner Miene im ägyptischen Staatsfernsehen erschien, lagen sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo Soldaten und Demonstranten jubelnd in den Armen. „Unter diesen schwierigen Umständen, die das Land derzeit durchmacht, hat Präsident Hosni Mubarak entschieden, das Amt des Präsidenten niederzulegen“, las Suleiman mit belegter Stimme vom Blatt. Sekunden später ging die Nachricht um die Welt, in Kairo feierten Hunderttausende die ganze Nacht. Erst wenige Tage zuvor hatte Hosni Mubarak seinen engsten Getreuen noch persönlich zum Vizepräsidenten vereidigt, eine düstere Inszenierung von Loyalität bis zum Untergang. Leicht gebeugt standen sich die beiden alten Herren gegenüber. Mit erhobener rechter Hand schwor der glatzköpfige Geheimdienstgeneral, „dem Volk zu dienen und Schaden von ihm abzuwenden“. Dann folgte seinem unbeholfenen militärischen Gruß noch ein flüchtiger Handschlag. Am Donnerstag ist Omar Suleiman in einem Krankenhaus in den Vereinigten Staaten im Alter von 76 Jahren gestorben.

Jahrzehntelang galt er in Ägypten als der starke Mann hinter den Kulissen, als die diskrete, graue Eminenz neben Mubarak. Erst vor sechs Jahren ließ er sich zum ersten Mal öffentlich fotografieren. International einen Namen gemacht hat er sich vor allem als Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern. Keiner hat mehr Waffenpausen zwischen beiden Seiten vermittelt. Immer wieder erreichte Omar Suleiman seit Beginn der Zweiten Intifada Zeiten der Ruhe – in den Jahren 2001, 2003, 2005 sowie zuletzt die sechsmonatige Feuerpause 2008, nach deren Ende dann vor zwei Jahren der Gazakrieg mit mehr als 1300 Toten und 5300 Verletzten folgte.

Geboren wurde Suleiman 1936 in eine wohlhabende Familie in Oberägypten. In seinem Aussehen ähnelte er dem ermordeten Präsident Anwar as Sadat – eine schlanke, große Erscheinung mit scharf geschnittenen Gesichtszügen. Seine Heimatstadt Qena liegt in einer der ärmsten Regionen des Landes und zählt zu den frühen Hochburgen der Islamisten. Mit neunzehn Jahren ging der ehrgeizige junge Mann nach Kairo zur Militärakademie. In der Sowjetunion, damals Bündnispartner Ägyptens, lernte er an der berühmten Offiziersschule Frunse in der heutigen kirgisischen Hauptstadt Bischkek die Finessen des Agentenlebens kennen. In den Nahostkriegen von 1967 und 1973 diente er als Offizier. In den achtziger Jahren studierte er politische Wissenschaften an den Universitäten von Ain Shams und Kairo.

1993 wurde er Chef des größten Geheimdienstes in der arabischen Welt, der wegen seiner guten Beziehungen zu den USA auch ägyptische Filiale der CIA genannt wurde. Er war es auch, der nach den verheerenden Mordanschlägen auf Touristen in den neunziger Jahren den staatlichen Kampf gegen die ägyptischen Terrorgruppen „Gamaa Islamiya“ und „Jihad“ dirigierte. Seinem langjährigen Chef Hosni Mubarak rettete er 1995 sogar das Leben, als er darauf bestand, dass der Präsident zu einer Konferenz in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba seine gepanzerte Limousine mitnahm. Die von den Islamisten abgefeuerten Kugeln blieben in der Panzerung stecken, ihr Raketenwerfer versagte. Mubarak ließ den Wagen wenden und entkam unverletzt. Martin Gehlen

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