Politik : Schmidt: Mehr um die Jugend kümmern

Philipp Lichterbeck

Berlin - Zum Ausbildungsjahr 2005/06 fehlen in Deutschland 32000 Lehrstellen, 1300 mehr als im Vorjahr. Fast 1,4 Millionen junge Menschen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Von den unter 25-Jährigen sind fast 650000 arbeitslos, das ist eine Quote von mehr als 16 Prozent. Die Armut unter den 16- bis 24-Jährigen hat seit 1998 zugenommen, von 15 Prozent auf 19 Prozent, wie die Bundesregierung vermeldet. Außerdem gibt es immer mehr jugendliche Obdachlose. Fast jeder vierte ohne Dach über dem Kopf ist ein junger Mensch. 42 Prozent der Jugendlichen blicken skeptisch in die Zukunft, zehn Prozent sehen ihr weiteres Leben negativ, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben hat.

Vor diesem Hintergrund fordert Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD), alle am Leben von Jugendlichen beteiligten Institutionen müssten sich stärker austauschen. Ziel sei es, die Jugendlichen für den „ersten Arbeitsmarkt fit zu machen“. Vor dem Deutschen Forum Jugendsozialarbeit (DFJ) in Berlin verwies die Ministerin, vertreten durch ihren Abteilungsleiter für Kinder und Jugend, Peter Fricke, auf das Modell des so genannten „Freiwilligen Sozialen Trainingsjahrs“. Schulen, Jugendhilfe, Arbeitsagenturen und Elternhäuser kooperierten, um gefährdete Jugendliche aufzufangen. „Der Eingliederungsprozess gelingt umso besser, je mehr Beteiligte Verantwortung übernehmen“, resümierte Schmidt.

Auf der anderen Seite sollen die Arbeitsagenturen arbeitslose Jugendliche stärker fordern. Man könne die Jugendlichen auch auf Arbeitsplätze verweisen, die nicht ihren Vorstellungen entsprächen, so die Ministerin. „Zumutbare Leistungen zur Führung eines von öffentlicher Unterstützung unabhängigen Lebens können eingefordert werden.“ Dazu gehörten auch Ehrenämter.

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