Schmiergeldaffäre : Karlheinz Schreiber vor Ausschuss in Kanada

Ein kanadischer Ermittlungsausschuss stellt die Glaubwürdigkeit des früheren deutschen Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber (75) infrage. Schreiber habe sich am Dienstag bei Aussagen vor den unabhängigen Ermittlern in Ottawa mehrfach in Widersprüche verwickelt, berichteten kanadische Medien am Mittwoch.

New York/OttawaDer Ausschuss geht dem umstrittenen Schmiergeldgeschäft zwischen Schreiber und Kanadas Ex-Premier Brian Mulroney (70) nach. Der „Toronto Star“ schrieb, dass Schreiber der Presse vor seiner Vernehmung versprochen hatte, „nicht eine, sondern sieben Bomben hochgehen“ zu lassen. Stattdessen sei er unter den Fragen des Ausschuss-Anwaltes Richard Wolson immer kleinlauter geworden.

Wolson warf Schreiber Diskrepanzen seiner jüngsten Aussagen mit eidesstattlichen Erklärungen aus dem Jahr 2004 vor und ermahnte den Geschäftsmann mehrfach, bei der Sache zu bleiben. Er nahm vor allem daran Anstoß, dass Schreiber mehrere private Treffen mit Mulroney bei seiner Vernehmung 2004 verschwiegen hatte. Schreiber hatte mit Mulroney eigenen Angaben zufolge noch während dessen Amtszeit eine Zahlung von 300 000 Dollar (heute rund 180 000 Euro) vereinbart, damit sich dieser für sein Waffengeschäft einsetzt. Mulroney sagt dagegen, er habe lediglich 225 000 Dollar bekommen. Zudem sei das Geschäft erst nach seinem Ausscheiden aus dem Amt abgeschlossen worden. Es ging dabei um den Bau einer Fabrik des deutschen Thyssen-Konzerns in Kanada, in der gepanzerte Fahrzeuge des Typs Bear Head gebaut werden sollten. Wäre das Geschäft zustande gekommen, hätte Schreiber nach eigenen Angaben 1,8 Milliarden Dollar Provision bekommen.

Der in Deutschland wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung angeklagte Schreiber, eine Schlüsselfigur der CDU-Spendenaffäre, hat von den kanadischen Behörden die Zusage, bis zum Abschluss der Untersuchung in Ottawa nicht an Deutschland ausgeliefert zu werden. Die Anklage in Deutschland hat mit der Mulroney-Affäre nichts zu tun. Wegen des drohenden Verfahrens widersetzt sich Schreiber seit Jahren gerichtlich mit allen Mitteln einer Übergabe an die deutsche Justiz. dpa/AFP

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