Politik : Schneller und jünger vor die Klasse

Berlin reformiert seine Lehrerausbildung. Schon nach sechs Semestern dürfen die Pädagogen in die Schule – als Assistenten

Anja Kühne

Berlins Junglehrer sind vor allem eins: alt. Mehr als die Hälfte der Studenten kommt erst nach 17 Semestern durchs Examen. Mit 31 Jahren werden sie Referendare. 36 Jahre alt ist der Durchschnittslehrer, wenn er seine erste richtige Stelle bekommt. Hat ihn der lange Weg gut auf den Schuldienst vorbereitet? Kaum. Seit langem beklagen die angehenden Lehrer das praxisferne unübersichtliche Studium, die aufgeblähten Staatsprüfungen mit ihren Wartezeiten und die Bevormundung im Referendariat.

Jetzt scheint ein Ende des langen Elends in Sichtweite zu rücken. Nach langem Gerangel hat sich die Berliner Koalition auf einen neuen Entwurf für das Lehrerbildungsgesetz geeinigt. Vom Herbst 2004 an sollen die Studenten in neuen Ausbildungsgängen studieren. Nach sechs Semestern erreichen sie einen Bachelor-Abschluss, nach zwei bis vier weiteren Semestern den Master-Abschluss. Das Studium wird entrümpelt. Die angehenden Lehrer, im jetzigen Studienbetrieb oft stiefmütterlich behandelt, sollen in auf sie abgestimmten Modulen studieren – in Kursen, die nach dem Baukastenprinzip aufeinander aufgebaut werden können, inhaltlich miteinander und auf die Bedürfnisse der Lehrer abgestimmt sind.

Das erste Staatsexamen, zu dem die Studenten mit ihren Professoren bislang ins Landesprüfungsamt zu den Staatsprüfern fahren mussten, entfällt. Das ist ein historischer Durchbruch: Seit 1810 war die erste Staatsprüfung vorgeschrieben. Nun findet die Prüfung in der Uni statt, die Staatsprüfer haben nur noch notarielle Funktion. Das ungeliebte Referendariat soll nicht mehr zwei Jahre, sondern nur noch ein Jahr dauern. Die Politiker kündigen an, dass sie es auch inhaltlich entschlacken wollen.

Mit dem neuen Gesetz tut sich auch ein neuer Beruf auf: der des Schulassistenten. Er könnte schon nach dem Bachelor-Abschluss in die Schule gehen und den Lehrern helfen. Damit hätte Berlin eine neue Gruppe von Pädagogen, die die Lehrer entlasten könnte – und schon in jungen Jahren in den Schuldienst käme.

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