Schockbilder auf Zigarettenschachteln : Schluss mit der Erziehung durch den Staat

Der Bundesrat hat heute die Tabakrichtlinie der EU abgenickt. Das Ziel: Schockbilder auf Zigarettenschachteln sollen Menschen vom Rauchen abhalten. Ein Kommentar.

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Schockbilder auf Zigarettenschachteln warnen vor Folgeschäden des Zigarettenkonsums.
Schockbilder auf Zigarettenschachteln warnen vor Folgeschäden des Zigarettenkonsums.Foto: dpa/Jonas Güttler

Der Bundesrat diskutierte nur noch über das Wann - nicht das Ob. Denn die EU hat per Richtlinie festgesetzt, dass vom 20. Mai an auf Zigarettenschachteln großflächig Schockfotos sowie Warnhinweise gedruckt werden müssen. Die Tabakindustrie hätte dafür gerne mehr Zeit, der Bundestag will am 20. Mai festhalten, die Länderkammer zog jetzt nach. Aber egal. Sicher ist: Der Staat schlüpft mal wieder in die Nanny-Rolle und teilt seinen Bürgern mit, dass Rauchen - jetzt kommt's - gefährlich ist.

Wer hätte das gedacht: Rauchen ist gefährlich! Okay, nur ein bisschen gefährlich. Sonst müsste der Staat - wäre ihm wirklich am Wohle seiner Bürger gelegen - das Rauchen ja ganz verbieten. Aber der Fiskus nimmt zwischen 13,5 und 14,5 Milliarden Euro Tabaksteuer ein. Jährlich. Das wäre bei einem Verbot ja weg. Also kein Verbot! Nur eine Warnung vor den ach so gefährlichen, aber fiskalisch ganz einträglichen Zigaretten.

Dass der Staat sich überhaupt in immer mehr Lebensbereiche einmischt und seine Bürger zu einem besseren Leben anleiten will, ist eine Aufgabe, die ihm nicht zusteht. Das können andere besser, günstiger, zielgenauer - und die geben dafür ihr eigenes Geld und nicht das der Steuerzahler aus. Von Liberalität, Eigenverantwortlichkeit und erwachsenen, selbstbestimmten Bürgern gar nicht erst zu reden.

Wo sich der Konsument mehr Engagement des Staates wünschen würde, da ist er auffallend zurückhaltend. Man führe sich nur die jahrelangen Auseinandersetzungen um die Lebensmittelampel vor Augen, die einen schnellen Überblick über die Ernährungsqualität des jeweiligen Produkts liefern sollte. Man erinnere sich an die zahlreichen und immer wiederkehrenden Streitigkeiten darüber, welche Inhaltsstoffe auf Lebensmittelpackungen stehen müssen und welche nicht. Herkunftsbezeichnungen oder Produktionsweise von Lebensmitteln lassen sich selten genug über den Namen oder die Beschreibung des Produkts herleiten. Der Klassiker "Wiener Schnitzel" oder "Schnitzel Wiener Art" ist da nur ein harmloses Beispiel. Wer kennt schon den Unterschied zwischen Orangensaft, Orangennektar und Orangenlimonade? Und ist im Joghurt namens "Erdbeer-Schoko-Traum" auch wirklich ein erwähnenswerter Anteil Erdbeeren drin?

Verbraucher wissen heute, dass Rauchen schädlich ist - ganz egal, wie die Zigarettenschachtel aussieht. Ob sie aber gerade Lebensmittel, die irgendwo in der Produktionskette mit Gentechnik hergestellt wurden, zu sich nehmen, der Schinken wirklich aus dem Schwarzwald kommt und die Kuh in Brandenburg die Milch gegeben hat, da können sie sich nicht so sicher sein. Nicht einmal, wenn sie das Kleingedruckte auf den Packungen entziffern und alle chemischen Abkürzungen entschlüsseln können: E 320 ist übrigens Butylhydroxyanisol.

Also Vater Staat: Hilf, wo Hilfe not tut. Aber hör auf, deine Bürger zu erziehen. Die sind schon erwachsen.

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