Politik : Schönbohm empört die Brandenburger

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Potsdam Äußerungen des Brandenburger Innenministers Jörg Schönbohm zur angeblichen Mitverantwortung der SED- Herrschaft für Gewalttaten hat große Empörung ausgelöst. Der CDU-Politiker hatte im Zusammenhang mit dem Fund von neun getöteten Säuglingen „die von der SED erzwungene Proletarisierung“ als „eine der wesentlichen Ursachen für Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft“ bezeichnet. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) distanzierte sich von den Äußerungen seines Stellvertreters und forderte Schönbohm auf, sich zu mäßigen. „Viele Ostdeutsche empfinden das als Zumutung, als Westsicht pur“, sagte Platzeck am Mittwoch.

Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff (SPD), erklärte, jemand wie Schönbohm gehöre nicht in die Politik. Er verlangte eine Entschuldigung von dem brandenburgischen Innenminister.

Dagegen verteidigte der hannoversche Kriminologe Christian Pfeiffer die umstrittenen Äußerungen. Der frühere niedersächsische Justizminister verwies in der „Thüringer Allgemeinen“ auf eigene Studien, denen zufolge für Kinder zwischen null und sechs Jahren das Risiko, von der Mutter getötet zu werden, im Osten drei mal höher liege als im Westen. „Es hat diese Verarmung, die geistige Verelendung unter Hochhausexistenzen gebeben“, betonte er. Schönbohm relativierte am Mittwoch seine Äußerungen aus dem tags zuvor geführten Tagesspiegel-Interview. Es gehe „nicht darum, die Menschen im Osten verantwortlich zu machen“, sagte er in Potsdam.

Die Polizei durchsuchte am Mittwoch mit Hilfe von vier Spürhunden eine weitere ehemalige Wohnung der 39-jährigen Mutter der toten Kinder im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Es seien keine weiteren Leichen gefunden worden, hieß es anschließend. Tsp

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