Politik : Schöne, arme Entlein

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

„Sie sind wieder da.“ Mit Freudentränen in den Augen drückte Andrea Fischer gestern Nachmittag ihre drei kleinen Freunde Jacob, Wolfgang und Sebastian an die Brust. Ein rührendes Bild, fürwahr, wie die ehemalige Gesundheitsministerin gleich darauf die drei zu Wasser und mit einem zärtlich Schubs in die Freiheit entließ. Drei lange Tage der Trauer gingen voraus. Fischer ahnte, dass etwas unsagbar Grausames passiert sein musste. Zur Gewissheit schien es gestern morgen zu werde: „Jacob, Wolfgang und Sebastian sind tot“, hieß die Nachricht.

Liebevoll hatte die grüne Parlamentarierin im Frühjahr im Innenhof des Jacob-Kaiser-Hauses die drei gelben Gummi-Enten in ein Bassin gesetzt, von dem sich hartnäckig das Gerücht hält, es sei ein Kunstwerk. „Zur Freude aller Abgeordneten“, erinnert sich Fischer, paddelten Jacob (benannt nach Jacob Kaiser), Wolfgang (benannt nach dem Hausherrn Wolfgang Thierse) und Sebastian (der eines geheimen Spenders) seit Monaten im Bundestagsbau. Bis Mittwoch.

Dem Tag, an dem ihr Lebensraum gesäubert wurde. Seitdem waren die drei verschwunden. Nicht mal Suchanzeigen, die überall im Haus aufgehängt wurden, wiesen Fischer den Weg zu ihren drei kleinen Freunden. Und nach einem Anruf beim Sicherheitsdienst und einer insistierenden Nachfrage bei der Bundesbauverwaltung ergab sich ein schlimmer Verdacht: Jacob, Wolfgang und Sebastian sollten vom Reinigungstrupp auf einer Müllkippe entsorgt worden sein. Wie gut, dass die Bundesbaudirektion keine Mühen gescheut hat bei der Fahndung nach Jacob, Wolfgang und Sebastian. Ob sie der herzlosen Reinigungsbrigade jetzt auch den Auftrag gekündigt hat? Antje Sirleschtov

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