Politik : Schönefeld darf Großflughafen werden

Hohe Auflagen für Lärm- und Umweltschutz / Letzte Entscheidung fällt Bundesverwaltungsgericht

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Berlin Der Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) kann – zumindest theoretisch – erweitert werden. Am Freitag erteilte das Land Brandenburg eine grundsätzliche Ausbaugenehmigung. Der Flugbetrieb soll im brandenburgischen Schönefeld von 2010 an auch nachts möglich sein. Allerdings hat das Land anspruchsvolle Auflagen gemacht. Nach Angaben der Planfeststellungsbehörde entsprechen diese den Richtlinien, die im neuen Fluglärmschutzgesetz vorgesehen sind. Zu welchen Mehrkosten die Lärm- und Umweltauflagen führen, ist noch nicht ermittelt. Bisher nannten die Planer Gesamtkosten für den Flughafenausbau in Schönefeld in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Der neue Flughafen soll Ende 2010 eröffnet werden.

Genehmigt ist jetzt der Bau einer neuen Startbahn im Süden Schönefelds mit einer Länge von vier Kilometern. Die bereits vorhandene Startbahn wird um 600 Meter auf 3,6 Kilometer verlängert. Zwischen den beiden Bahnen, die einen Abstand von 1,9 Kilometern haben, entsteht das neue Abfertigungsgebäude. Die bisherige Nordbahn, bei der die Maschinen über dicht bebautes Gebiet fliegen, wird geschlossen. Unter dem Terminal entsteht ein Bahnhof für den Fern- und Regionalverkehr sowie für die S-Bahn. Obwohl die Anwohner entschädigt werden sollen, wollen Tausende gegen den Beschluss klagen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wird die Klagen wohl bündeln und Musterverfahren führen. Nach Ansicht der Planfeststellungsbehörde überwiegen durch die Konzentration auf einen Flughafenstandort die positiven Effekte. Das Vorhaben sei daher zulässig. Tempelhof soll Ende Oktober geschlossen werden, Tegel spätestens ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme von BBI.

Für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist der Planfeststellungsbeschluss ein „riesiger Schritt zur Verwirklichung des größten und wichtigsten Infrastrukturprojekts für die wirtschaftliche Entwicklung der Region“. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kündigte an, dass sich die Gesellschafter des Flughafens, Berlin, Brandenburg und der Bund, noch in diesem Jahr über die Finanzierung des Milliarden-Projekts einigen werden. Auch Vertreter der Wirtschaft begrüßten den Beschluss. Ohne einen leistungsfähigen Flughafen habe die Region keine Chance, sich zu einem „Metropolenraum von internationaler Bedeutung“ zu entwickeln, hieß es bei der Industrie- und Handelskammer. Jetzt müsse auch die Verkehrsanbindung sicher gestellt werden.

Der Flughafen müsse von 2006 an nun zügig gebaut werden, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die Zahl der Lufthansa-Mitarbeiter in Berlin werde „ordentlich steigen“, wenn der Flughafen erst stehe, versprach er. Kritik an der Genehmigung kam von den Grünen und der PDS aus Brandenburg.

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