Politik : Schöner wohnen – ohne Job

Pariser Minister Gaymard stolpert über Affäre

Sabine Heimgärtner[Paris]

Für Jacques Chirac ging es am Freitagabend darum, Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen: Wenige Stunden, nachdem Finanzminister Hervé Gaymard am Nachmittag wegen einer Dienstwohnungs-Affäre zurückgetreten war, hatte Frankreichs Präsident auch schon einen Nachfolger parat. Chirac ernannte den Chef des Telekom-Konzerns France Telecom, Thierry Breton, zum neuen Finanzminister. Chirac wollte offenbar die Dienstwohnungs-Affäre nicht noch durch eine quälende Debatte um Gaymards Nachfolge bereichern. Aus gutem Grund: Die Affäre um das Luxusappartement des zurückgetretenen Finanzministers fällt mitten in eine Phase großer sozialer Unzufriedenheit.

Ohne offenbar ein schlechtes Gewissen gehabt zu haben, hatte sich Gaymard, Vater von acht Kindern, vom Steuerzahler 14 000 Euro Monatsmiete für eine 600 Quadratmeter große Dienstwohnung bezahlen lassen – in bester Pariser Lage, mit Blick auf den Prachtboulevard Champs-Elysées. Illegal war dies zwar nicht, weil Frankreichs Politiker traditionell ein Recht auf bezahlte Dienstwohnungen haben. Aber dann berichteten Frankreichs Medien, dass Gaymard quasi um die Ecke von seinem Dienstpalast, auf dem linken Seine-Ufer, selbst Besitzer einer 200 Quadratmeter großen Wohnung ist, die er zum „Freundschaftspreis“ von 2300 Euro monatlich an eine befreundete Familie vermietet.

Das Maß war endgültig voll, als Gaymard der Zeitschrift „Paris Match“ sagte: „Wenn ich nicht der Sohn eines armen Schusters wäre, sondern ein Kind bourgeoiser Abstammung, hätte ich natürlich keine Wohnungsprobleme, und es gäbe diese ganze Affäre nicht.“ Und er fügte sogar noch hinzu: „Ich habe nie Geld gehabt.“ Pech für Gaymard: Die linksliberale Zeitung „Libération“ meldete am Freitag, dass Gaymard und seine Frau neben dem Appartement auf dem linken Seine-Ufer noch zwei weitere Wohnungen sowie zwei Häuser in der französischen Provinz besitzen.

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