Politik : Schorschs Liebling

Barbara Rütting eröffnet den bayerischen Landtag und fordert Dinkel statt Leberkäse

Mirko Weber[München]

Die ehemalige Schauspielerin und Gesundheitsberaterin Barbara Rütting hat am Montagabend wieder eine Hauptrolle – vorübergehend. Als Alterspräsidentin eröffnete sie, bekannt nicht zuletzt aus Edgar-Wallace-Filmen, die konstituierende Sitzung des bayerischen Landtags. Und so gilt das Interesse neben den Spekulationen über das künftige Landeskabinett ganz eindeutig der ersten Rede im Parlament, die traditionsgemäß gehalten wird vom ältesten Mitglied der Versammlung: eben Barbara Rütting von den Grünen.

Die Frau mit dem Künstlernamen zählt 75 Jahre und wird den meisten Anwesenden vermutlich eher unter dem Begriff Geierwally bekannt sein (ihr richtiger Name ist Waltraud Irmgard Goltz). Man kann das mit der Geierwally ruhig erzählen, weil Rütting sich zwar schwer geärgert hat, als vor Wochen in einer Münchner Zeitung geschrieben stand, dass die Geierwally in den Landtag wolle. Nun aber, am Ende ihrer Rede, erinnert sie von sich aus an ihre berühmt-berüchtigte Rolle, als sie erzählt, dass die Geierwally „nach wie vor der Lieblingsfilm“ vom Schorsch in Bernau sei. In Bernau am Chiemsee lebt Barbara Rütting, „zufrieden und allein mit vielen Tieren“, wie sie sagt, und der Schorsch ist ein Freund von ihr auf dem Wertstoffhof, wo sie den Restmüll hinschafft. Mit diesem kleinen rhetorischen Trick gelingt es Barbara Rütting, gebürtig in der Mark Brandenburg, über die Geier auf die Adler zu kommen, von denen „90 in Bayerns blauem Himmel kreisen, über einem hoffentlich auch in Zukunft grünen Land“.

So spricht sie und ist’s zufrieden. Sie ist nämlich nicht gekommen, um zu provozieren, und selbst ihre moderate Ankündigung, die Speisungen in der Landtagskantine demnächst etwas vollwertiger gestalten zu wollen, ruft bei der Leberkäsfraktion kein wirkliches Grauen hervor. Barbara Rütting ruft, ganz im Gegenteil, dazu auf, Schwarz, Rot und Grün möchten doch über ihren Schatten springen und mahnt „Sanftheit“ als Mittel der Politik an. Sie persönlich habe damals in Mutlangen beim Protestieren gelernt, dass weiches Wasser den Stein breche.

Das mit der Sanftheit klingt wie eine erneuerte Version eines anderen, durch die ehemalige Schauspielerin Barbara Rütting zu einiger Verbreitung gekommenen Satzes aus den sechziger Jahren. Damals spielte sie an den Münchner Kammerspielen die Lysistrata unter Fritz Kortner (und neben Romy Schneider) und sagte ein ums andere Mal: „Wie verkehrt ihr die Dinge behandelt.“

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