Politik : Schraachchcht

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Kurt Tucholsky hat einmal von einem Parodisten in Paris berichtet, der über die deutsche Sprache hergefallen ist. Derlei Spott war nach zwei Kriegen und vor dem nächsten zwischen den Nachbarn wohlfeil. Aber für Tucholsky, der Frankreich so sehr liebte wie die Sprache seiner Heimat, war es trotzdem ein Schock. Weil er das Gefühl nicht los wurde, dass der Mann auf der Bühne Recht hatte. Der Franzose hat nämlich gar nicht deutsch gesprochen, sondern so, wie es in seinen Ohren klang, wenn Deutsche deutsch sprechen. Es muss da sehr unschön geklungen haben, ganz viele Konsonanten hintereinander, ein hartes, krachledernes Geschnarre: „Schraachchchcht!“ Vielleicht liegt hier der tiefere Grund, weshalb Deutsch als lingua franca der globalisierten Welt so richtig nie eine Chance hatte, ungeachtet der rührenden Fortschrittsmeldungen verstreuter Goethe-Institute. Zu viele Konsonanten, zu wenig Elegance, von der Grammatik zu schweigen. Man spricht nicht deutsh, weltweit.

Umso gerührter ist der Deutsche, wenn einer von auswärts dann doch seine Sprache spricht, und sei es nur ein Satz. John F. Kennedy hätte es nie zum Liebling der Stadt bringen können ohne sein „Ish bin ein Bearliener“. Seine Nachfolger hatten mit dem Trick weniger Erfolg. Wer weiß, was Ronald Reagan gesagt hat? Dass er „noch einen Koffer in Bearlin“ habe. Oder gar Bill Clinton? Die richtige Antwort: „Bearlin bleibt doch Bearlin.“ Na ja. Bisschen schwach. Wobei – den stärksten Spruch von Kennedy kennt hierorts auch kein Schwein. Gesprochen wurde der am 23. Juni 1963 in Köln: „Kölle alaaf!“ Da ist übrigens kein einziger harter Konsonant drin. Die Goethe-Institute sollten mehr Kölsch unterrichten.

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