Politik : Schröder: Der Einsatz der Bundeswehr im Kosovo schafft ein anderes Deutschland-Bild

PRIZREN (AP/AFP). Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den im Kosovo eingesetzten deutschen Soldaten für ihre Arbeit gedankt. Ihr Einsatz trage dazu bei, "historische Schuld und historische Verbrechen, die in deutschem Namen begangen wurden", durch ein anderes Bild Deutschlands zu ersetzen, sagte Schröder am Freitag bei einem Besuch des Bundeswehr-Hauptquartiers in Prizren im Kosovo. Die Soldaten sorgten dafür, daß die Menschen, deren Rückkehr in die Heimat die Bundeswehr sichere, "ein Bild von einem friedlichen Deutschland" bekämen, dessen Armee "keine Eroberungsstreitmacht" sei.Schröder besuchte als erster westlicher Regierungschef nach dem Ende des Kosovo-Krieges die serbische Provinz. Neben dem Truppenbesuch stehe dabei die Nachricht im Mittelpunkt, daß die Bundesrepublik und der Westen auch nach den Militärschlägen ihre Verantwortung für die Region nicht aus den Augen verlören, hieß es in Regierungskreisen.Der Kanzler, der mit den Bundeswehr-Soldaten zu Mittag aß, erinnerte wie schon Anfang der Woche beim öffentlichen Gelöbnis in Berlin daran, daß die Verantwortung der deutschen Soldaten über den Schutz der Bundesrepublik hinausreiche. Sie hätten die Aufgabe übernommen, auch außerhalb der deutschen Grenzen für Menschenrechte einzutreten.Im Gespräch mit dem UN-Kosovo-Beauftragten Bernard Kouchner betonte Schröder die Notwendigkeit eines politischen Wiederaufbaus. Zudem müsse sich die Einstellung der Menschen verändern, um ein friedliches Zusammenleben der Menschen zu gewährleisten, sagte Kouchner nach dem Treffen. Schröder kam anschließend mit mehreren Vertretern der Kosovo-Albaner zusammen. Nicht dabei war der Chef der gemäßigten Partei LDK, Ibrahim Rugova. Er habe andere "Verpflichtungen" in Rom, sagte ein Vertreter der Partei.Die Regierung in Belgrad hatte vor Schröders Reise in die jugoslawische Provinz dagegen protestiert, daß die Bundesregierung den Besuch nicht bei ihr angemeldet hatte, und ihren Protest bei der japanischen Botschaft eingereicht, die die deutschen Interessen in Jugoslawien vertritt.Jugoslawien behält sich nach eigenen Angaben das Recht vor, erneut Truppen in das Kosovo zu entsenden, wenn die UN dort nicht ausreichend für Sicherheit sorgten. Dies sei der Fall, wenn die Grenzen der Provinz oder ihre Bürger in Gefahr seien, sagte der jugoslawische General Nebojsa Pavkovic nach einer Meldung der Agentur Tanjug. Pavkovic kommandiert die Dritte Armee, zu deren Einsatzgebiet das Kosovo gehört. Diese Armee hatte sich nach dem Luftkrieg der Nato aus dem Kosovo zurückziehen müssen.Nach dem Willen von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sollen Kosovo-Flüchtlinge bald auch zwangsweise in ihre Heimat zurückgebracht werden. Dies sagte der Minister am Rande eines Treffens mit seinem albanischen Amtskollegen Spartak Poci am Freitag in Wiesbaden. Bei den Gesprächen beider Minister sei es auch um den Transport der Kosovo-Flüchtlinge durch albanisches Staatsgebiet gegangen, hieß es.

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