Politik : …Schröder die Chinesen in Schach hält

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Sinologen bitten wir um Nachsicht, für den Rest aber kommt hier ein kleines Rätsel zum verspäteten Wochenanfang: Ist folgender Satz korrekt – oder fehlt was? Wen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder am Montag getroffen. Nun?

So, so, da fehlt also das Fragezeichen? Nein, fehlt nicht! Chinas Ministerpräsident heißt Wen. Lustiger wäre es, er hieße Wem, dann hätten wir oben so en passant auch noch dem Dativ retten können, einmal wenigstens, vorgeblich – aber wir wollen hier nicht kalauern.

Nein, wollen wir nicht. Wir wissen so wenig über China. Wen kennen wir jetzt. Wen aber kennen wir sonst noch, beispielsweise? Früher, um mal kurz in unsere wilden Jahre abzuschweifen, haben wir in der Kneipe immer dann, wenn’s ans Bezahlen ging, das schöne Spiel „Elf Norweger“ gespielt. Ging so: Einer nannte ein Land, der Rest musste elf Prominente aus diesem Land aufzählen, der Vorletzte musste löhnen.

„Elf Norweger“ mit China zu spielen ist verdammt schwer. Wen, Mao, die drei Chinesen mit dem Kontrabass – das sind erst fünf. Nur gut, dass wir pisa-technisch nicht noch auf unsere Reich-der-Mitte-Kompetenz hin untersucht worden sind, wahrscheinlich lägen wir dann sogar noch hinter Bangladesch.

Ist halt doch arg weit weg, zehn Stunden Flug in eine Richtung, und dann auch noch gen Osten. Andererseits: Der Kanzler ist andauernd da; fast könnte man sagen, nichts betreibt Gerhard Schröder derart konsequent wie den „Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit“ mit China. Diesmal hat er allerdings den Stolpe im Schlepptau, was darauf schließen lässt, dass demnächst wieder irgendetwas wahnsinnig ins Stocken gerät. Wahrscheinlich ist das sogar ganz clever vom Schröder.

Grob gesagt ist es nämlich so: Alles, was den Chinesen interessiert, bringt über kurz oder lang den Weltmarkt durcheinander. Öl, Stahl, Dollar, es gibt praktisch nix mehr, was den Chinesen nicht interessiert.

Was, sagen Sie, das sei Käse? Nein, im Gegenteil. Für Käse interessiert sich der Chinese nämlich neuerdings auch. Die Preise für Gouda klettern schon auf den deutschen Großmärkten, nur weil sie da hinten im Reich der Mitte auf den Geschmack gekommen sind. Hoffentlich verplappert sich der Kanzler heute nicht und sagt, dass er gerne Currywurst mag. Dann ist spätestens in einer Woche an deutschen Frittenbuden nichts mehr wie es war.

Mal im Ernst: So geht das auf Dauer nicht. Morgen reist Schröder weiter nach Japan. Ob er den Stolpe nicht noch ein Weilchen in China lassen könnte… Vbn

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