Politik : Schröder heißt Flick willkommen

Kanzler: Belassen Sie die Werke für immer in Berlin

Christiane Peitz

Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am Dienstag im Hamburger Bahnhof in Berlin die umstrittene Ausstellung der Friedrich Christian Flick Collection eröffnet. In seiner Rede nahm der Kanzler den Sammler gegenüber dessen Kritikern in Schutz. Dieser sei sich des Unrechts bewusst, das sein Großvater Friedrich Flick als bedeutender Rüstungsunternehmer der NS-Zeit auf sich geladen habe. „Es ist nicht zu bestreiten, dass Friedrich Christian Flick versucht, diese Verantwortung anzunehmen“, sagte Schröder. Er zitierte den jüdischen Sammler Heinz Berggruen mit den Worten, man solle nicht „zurückblickend von Sippenhaft für vergangene Untaten sprechen, sondern tolerant und aufgeschlossen in die Zukunft schauen“. In der Debatte um die Ausstellung sieht Schröder eine „Garantie gegen Geschichtsvergessenheit“; Flicks Kritiker warnte er „vor der Falle der Selbstgerechtigkeit“. An den Mäzen appellierte Schröder, die Sammlung auch nach der auf sieben Jahre befristeten Leihgabe in Berlin zu belassen, „am besten für immer“.

Flick reagierte in seiner Rede bereitwillig auf diesen Appell: „Lassen Sie uns diese sieben Jahre Verlobungszeit genießen. Wenn am Ende eine Hochzeit steht, um so besser.“ Was den Streit um sein Familienerbe betrifft, sprach Flick von der Kunst, die nicht zur Verdrängung tauge, denn sie zwinge auch „zum Nachdenken über die Gründe von Gewalt, Krieg und Terror“. Ebenso betonte er, dass es „keine Notausgänge“ aus seiner Familiengeschichte geben könne. Gleichzeitig sprach sich der 60-Jährige für eine gemeinsame Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit aus: „So wenig wie ich meine Verantwortung auf die Gesellschaft delegieren kann, so wenig kann diese sie umgekehrt auf mich delegieren.“

Begleitet wurde die Eröffnung von vereinzelten Protesten vor dem Museum. Die Ausstellung zeigt zunächst 400 der insgesamt 2000 zeitgenössischen Werke, unter anderem von Bruce Nauman, Martin Kippenberger, Pipilotti Rist und Cindy Sherman. Die Schau im Hamburger Bahnhof und den angrenzenden Rieck-Hallen ist ab heute für das Publikum geöffnet.

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