Politik : Schröder-Köpf gewinnt gegen „Stern“

Antje Lückingsmeier

Hamburg - Sie war es nicht, die Gerhard Schröder die Idee mit der Vertrauensfrage und den Neuwahlen in den Kopf gesetzt hat: Altkanzlergattin Doris Schröder-Köpf siegte am Freitag am Landgericht Hamburg gegen den „Stern“ und setzte durch, dass das Magazin seine Aussage richtig stellen muss, bei der Entscheidung im Frühjahr 2005 habe es einen „Doris-Faktor“ gegeben. Laut einem „Stern“-Artikel vom 23. Juni 2005 hatte es im März des Jahres ein Treffen des damaligen Kanzlers Schröder mit dem damaligen SPD-Chef Müntefering im Hause Schröder gegeben, bei dem die Kanzlergattin die Idee mit Vertrauensfrage und Neuwahlen geäußert haben könnte. Schröder habe die Idee aufgegriffen und beschieden, dass das der richtige Weg sei – und mit der Vertrauensfrage schließlich den Weg für Neuwahlen freigemacht. Der weitere Verlauf ist bekannt.

Schröder-Köpf wehrte sich gerichtlich gegen diese Darstellung, weil Teile des Artikels frei erfunden seien. In ihrem Auftrag beanstandete das Hamburger Anwaltsbüro Nesselhauf mehrere Passagen, in denen die Autorin Ulrike Posche die Möglichkeit darstellte, dass es Schröder- Köpf gewesen sein könnte, die ihren Mann auf die Idee mit der Vertrauensfrage gebracht habe. Vor Gericht ging es um diese Formulierung: „Plötzlich wirft Doris den Begriff ,Vertrauensfrage‘ und die Idee von ,vorgezogenen Wahlen‘ in die Runde ... (Gerhard Schröder) denkt eine Weile darüber nach und sagt dann: Ja, das ist der richtige Weg.“ Das Hamburger Landgerichts gab der Klage Schröder-Köpfs dagegen statt (Az.: 324 O 556/05) und verpflichtete den Verlag Gruner und Jahr, die Richtigstellung in seinem Magazin „Stern“ abzudrucken mit dem Satz: „Diese Behauptungen sind, was wir hiermit richtig stellen, unwahr.“

Hans-Ulrich Jörges, Vize-Chefredakteur des „Stern“, hatte bereits im April 2005 – also kurz nach dem besagten Treffen bei Schröders – per Kolumne über die Möglichkeit sinniert, Schröder könnte nach einer verlorenen Landtagswahl in NRW im Mai den Befreiungsschlag über Vertrauensfrage und Neuwahlen versuchen. Autorin Posche, die über langjährige Kontakte zu den Schröders verfügen soll, ging der Sache nach – und kam zu den Ergebnissen, die nun als unwahr zu deklarieren sind. Posche hatte den Kanzler und seine Frau auch im Wahlkampf 2002 begleitet und ihre Beobachtungen im Buch „Gerhard Schröder. Nah-Aufnahme“ beschrieben.

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