Schröder-Memoiren : Beck stellt sich hinter Alt-Kanzler

Mit Vorabdrucken aus seinen Memoiren und Äußerungen zur Amtsführung von Kanzlerin Merkel hat Gerhard Schröder harsche Attacken der Union provoziert. SPD-Chef Beck hält die Angriffe für "völlig überzogen".

Berlin - Die Bundesregierung wollte Schröders Äußerungen nicht kommentieren. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sprach lediglich von einer "munteren Diskussion". Es sei nicht verwunderlich, wenn es bei einer grundsätzlichen Darstellung von sieben Jahren Rot-Grün unterschiedliche Perspektiven und Meinungen gebe. Unterdessen kletterte Schröders noch gar nicht veröffentlichtes Werk "Entscheidungen. Mein Leben in der Politik" in der Amazon-Bestsellerliste bereits auf Platz eins.

CSU-Generalsekretär Markus Söder bewertete die Schröder-Memoiren als "eigene Helden-Stilisierung." Für den Alt-Kanzler hätten alle anderen Schuld an "erfolglosen sieben Jahren Rot-Grün, was Arbeitslosigkeit, Schulden betrifft". Söder betonte: "Der typische Schröder, wie wir ihn kennen. Arrogant und überheblich."

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) nannte Schröders Äußerungen stillos: "Das nennt man im Fußball Nachtreten. Und da gibt's normalerweise die Rote Karte." Schröder habe "im Kern die Wahlniederlage noch nicht verwunden". Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sagte: "Herr Schröder ist gescheitert und aus dem Amt geflüchtet. Deswegen ist er denkbar ungeeignet, seiner Nachfolgerin Ratschläge zu erteilen." CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla betonte, Schröder habe in erster Linie mit der eigenen Partei "abgerechnet". Daher sollten die Sozialdemokraten mit ihm diskutieren.

"Nüchtern und sachlich"

SPD-Chef Kurt Beck entgegnete, Schröder habe sich "nüchtern", "sachlich" und "zurückhaltend" zu Wort gemeldet. Niemand könne sich dadurch persönlich beleidigt fühlen. Auch auf Schröders Vorwurf, Teile des DGB und der SPD-Linken hätten auf seinen Sturz hingearbeitet, reagierte Beck gelassen. "Es ist seine Betrachtung, und ich respektiere das", sagte der Parteichef.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel bezeichnete es als bemerkenswerten Vorgang, "dass ein Alt-Kanzler, der die Fraktion nur durch Vertrauensfragen hinter sich bringen konnte, relativ nonchalant über Führungsstärke und Führungsschwäche von anderen räsoniert".

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer wertete die Vorab-Veröffentlichungen aus Schröders Memoiren als "lupenreinen Pressefeldzug". Er habe nicht die Absicht, sich dabei als "Hilfstruppe für Schröders Werbekampagne zu betätigen". Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine wollte sich zunächst nicht äußern. Nach Angaben eines Fraktionssprechers ist aber noch in dieser Woche eine Stellungnahme des früheren SPD-Vorsitzenden zu erwarten. (tso/ddp)

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