Schröder-Memoiren : Rummel um den Medienkanzler

Begleitet von einem massiven Medieninteresse hat der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin seine neu erschienenen Memoiren öffentlich vorgestellt.

Berlin - Buchvorstellungen ehemaliger Spitzenpolitiker gehören längst zu den festen Ritualen der Medienrepublik Deutschland. Stets ist das Interesse groß, manchmal der Wirbel beträchtlich. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) setzte mit seinen Memoiren nun ganz neue Maßstäbe. Die eigentliche Vorstellung des 543-Seiten-Werks in Berlin zog über 300 Journalisten aus dem In- und Ausland an und war der Höhepunkt einer ganzen Schröder-Woche.

Zufrieden lächelnd betrachtete Ex-Regierungssprecher Béla Anda das Spektakel im Willy-Brandt-Haus. Kamerateams aus der ganzen Welt balgten sich vor dem Rednerpodium. Die von Anda perfekt inszenierte Medienkampagne um Schröders Werk mit dem Titel "Entscheidungen. Mein Leben in der Politik" hatte zu Beginn der Woche mit Interviews und Vorabdrucken im "Spiegel" und in der "Bild"-Zeitung begonnen.

"Damit Sie besser schreiben können"

Dabei hatte Schröder dem Boulevardblatt während des Wahlkampfes 2005 Hetze vorgeworfen. Vorbei und vergessen: "Man darf nicht ein Leben lang nachtragen", sagte Schröder und fügte gewohnt listig hinzu: "Vielleicht hilft es sogar, ein wirklich wichtiges Buch bekannt zu machen". Kritik an dem Medienrummel konnte der einstige Medienkanzler "nun gar nicht" verstehen. All dies sei doch nur "ein Entgegenkommen", rief er den Journalisten zu, "damit Sie besser schreiben können".

Das Buch erschien mit einer Startauflage von 160.000 Exemplaren. Und der Wirbel geht weiter. Schröder will zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember noch über 20 Buchpräsentationen und Signierstunden absolvieren. Außerdem sind Talkshow-Besuche bei "Beckmann" am 30. Oktober und bei "Sabine Christiansen" am 5. November geplant.

Beim Hoffmann und Campe-Verlag reibt man sich schon jetzt die Hände. Von einer "überwältigenden Resonanz" ist die Rede. Das Werk werde auch international zum Bestseller. Übersetzungen in acht Sprachen seien geplant. Lizenzanfragen aus ganz Europa und den USA lägen vor. "Macht was Gutes draus", rief Schröder den Journalisten zum Abschied zu. (Von Nikolaus Sedelmeier, ddp)

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