Politik : Schröder nominiert - Kohl kämpferisch

KLAUS J.SCHWEHN

Bundeskanzler zeichnet Bild vom "Lagerwahlkampf" für Bundestagswahl / SPD und CDU lehnen Große Koalition abVON KLAUS J.SCHWEHN BONN.Mit der offiziellen Nominierung von Gerhard Schröder zum SPD-Kanzlerkandidaten am Montag in Bonn ist der Wahlkampf für die Bundestagswahlen am 27.September eröffnet.Schröder wurde im SPD-Präsidium einstimmig und im Vorstand bei drei Enthaltungen als Gegenpart von Bundeskanzler Kohl bestätigt.Der Kanzler hatte zuvor die Niederlage der CDU in Hannover eingestanden und war Spekulationen über eine neue Kandidatendiskussion in der Union mit den Worten begegnet: "Der Kandidat bin ich".Nach der Sitzung des CDU-Präsidiums räumte Kohl ein, daß sich die Regierungskoalition, auch vor dem Hintergrund der Massenarbeitslosigkeit, nach der Wahlniederlage in Hannover in einer schwierigen Phase befinde.Die Union müsse kämpfen, um Rot-Grün zu verhindern.Erneut zeichnet Kohl das Bild von einem "Lagerwahlkampf".Er bekräftigte, daß er für eine Große Koalition "nicht zur Verfügung" stehe.SPD-Kanzlerkandidat Schröder betonte nach den Sitzungen der Parteiführung, eine Große Koalition sei für die Sozialdemokraten "keine strategische Option".Zugleich aber nannte er es falsch, wollte sich die SPD im Wahlkampf vorab auf eine rot-grüne Koalition festlegen.Rechnerisch könne es am 27.September auch zu anderen Ergebnissen kommen.Die Erfahrungen aus der Landtagswahl vom Sonntag zeigten, daß die SPD aus der Mitte der Gesellschaft Stimmen gewinnen könne, ohne an den "Rändern" - beispielsweise an die Grünen - Stimmen zu verlieren.Die SPD müsse sich also um die "neue Mitte" bemühen.Ausdrücklich würdigte er die Integrationsarbeit des Parteivorsitzenden in den beiden vergangenen Jahren, ohne die das Wahlergebnis von Hannover nicht hätte erreicht werden können.Diese Landtagswahl war nach Auffassung des Grünen-Parteisprechers Jürgen Trittin "ein schwarzer Tag für Helmut Kohl".Hier habe sich der Wunsch der Bürger verfestigt, den Wechsel in Bonn herbeizuführen.Die Parteispitze der Bündnisgrünen warnte vor allem an die Adresse der SPD vor einer großen Koalition in Bonn nach dem 27.September.Sie könne aber mit Hilfe der Bündnisgrünen verhindert werden.Dazu jedoch, sagte Trittin, dürfe die Partei "nicht abtauchen" auf ihr Kernthema Umweltschutz, sondern müsse sich allen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen.Seine Kollegin Gunda Röstel sprach der FDP die Berechtigung ab, weiterhin als liberale Kraft aufzutreten.Diese Rolle erfülle längst ihre Partei.Die Freien Demokraten, die in Niedersachsen erneut den Einzug in den Landtag verpaßt haben, wollen sich nach den Worten ihres Generalsekretärs Guido Westerwelle noch vor dem Wahltag zur Fortsetzung der Koalition mit der Union bekennen.Es gebe, betonte auch Parteichef Wolfgang Gerhardt, keinen Anlaß, den Kurs der FDP zu ändern.So halte sie auch an ihren Forderungen zur Reform des Sozial- und Steuerrechts fest.

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