Politik : Schröder treibt Debatte über Kanzlerkandidatur an

Niedersachsens SPD-Regierungschef betont Lafontaines Entscheidungsrecht und hebt eigene Bedingungen hervor HAMBURG (AP).Ein Machtwechsel in Bonn müßte nach Ansicht des niedersächsischen Ministerpräsidenten Schröder "in einer rot-grünen Koalition erzielt werden".In einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte der SPD-Politiker, dies gelte für den Fall, daß eine solche Koalition nach der Bundestagswahl "rechnerisch geht und politisch machbar ist".Zu einer möglichen Kanzlerkandidatur sagte Schröder: "Ich werde den Vorschlag Oskar Lafontaines, so oder so, akzeptieren." Wenn er bei der Niedersachsen-Wahl im Frühjahr 1998 zwei oder mehr Prozentpunkte verliere, komme eine Kanzlerkandidatur für ihn nicht in Frage. Auf die Frage, ob er denn Bundeskanzler werden wolle, gab Schröder zur Antwort: "Ich denke, daß das politisch wichtigste Amt, das in Deutschland zu vergeben ist, jeden, der auch nur in dessen Nähe kommt, interessieren muß." Das sage er ganz unabhängig davon, für welchen Kandidaten die SPD sich schließlich entscheide. In einem Gespräch mit der ARD erklärte Schröder am Mittwoch jedoch erneut, eine Kanzlerkandidatur hänge für ihn vom Ergebnis der Landtagswahl ab.Er werde nicht zur Verfügung stehen, wenn er Stimmenverluste von zwei Prozent oder mehr hinnehmen müßte.Die SPD werde aber in jedem Fall erst ihr Regierungsprogramm festlegen und dann die Personen."Wir werden das durchhalten." Die niedersächsische SPD hatte 1994 bei der letzten Landtagswahl 44,3 Prozent der Stimmen und nach Sitzen sogar die absolute Mehrheit erzielt.Die CDU kam auf 36,4 Prozent, die Grünen auf 7,4 Prozent. Zur Frage der Einführung des Euros sagte Schröder, die Leute wollten, daß der Euro so stabil wie die Mark sei und deshalb müßten die Kriterien eingehalten werden.Sonst müsse der Termin verschoben werden.Auch der Teilnehmerkreis für den Euro sei wichtig.In dieser Frage gebe es in Details Differenzen mit Parteichef Lafontaine, aber keinen persönlichen Konflikt. Angesprochen auf eine denkbare Große Koalition meinte er, dafür gebe es zwar keine Voraussetzung.Sie könne aber eine "bittere Notwendigkeit werden, wenn das andere rechnerisch nicht geht". Nach einem Bericht der Zeitschrift "Gala" plant Schröder für den Herbst die Hochzeit mit seiner Lebensgefährtin Doris Köpf.Damit könne er als verheirateter Kanzlerkandidat in den Wahlkampf ziehen.Schröder dementiert diesen Bericht und erklärte, er plane derzeit keine Hochzeit mit seiner Freundin Doris Köpf.Auch stehe ein Termin für eine Scheidung von seiner dritten Ehefrau Hiltrud noch nicht fest.

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