Politik : Schröders Frau für den Osten hört auf

Christine Bergmann wird dem Kabinett nicht mehr angehören

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Im ersten Kabinett Schröder war Christine Bergmann die einzige Ministerin aus den ostdeutschen Ländern. Die 63-jährige gebürtige Sächsin hatte ihre politische Karriere Ende 1989 in Berlin-Hellersdorf in der SPD gestartet. Schon ein halbes Jahr später war die promovierte Naturwissenschaftlerin Parlamentspräsidentin der ersten frei gewählten Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung. In der Großen Koalition 1991 stieg die couragierte Politikerin zur Vize-Regierungschefin und Senatorin für Arbeit und Frauen auf. Gerhard Schröder machte sie nach dem Wahlsieg 1998 zur Leiterin des Ressorts Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Allerdings offenbarte der Kanzler seine geringe Meinung über dieses Arbeitsfeld, als er es als "Gedöns" bezeichnete. Immerhin drei Erhöhungen des Kindergeldes konnte die Ministerin in vier Jahren durchsetzen. Mit großem Engagement kämpfte sie für die Gleichstellung von Männern und Frauen im Berufsleben und förderte Jugendprogramme gegen Rechtsradikalismus. Auch Schröder erkannte zunehmend die Bedeutung der Familienpolitik.

In ihrer Partei wurde allerdings kritisiert, dass Bergmann gerade auf diesem Feld in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen wurde. Die Wende der SPD von latentem Misstrauen gegen die Institution Familie hin zur Förderung von Eltern und Kindern ist denn auch weniger mit dem n Christine Bergmann verbunden als mit dem der stellvertretenden Parteichefin Renate Schmidt. Während die Berliner Ministerin ihre Kraft in die Tagesarbeit steckte, warb ihre bayerische Parteifreundin mit Unterstützung des Kanzlers für das neue Familienbild. Zum Abschied betonte Bergmann, die nicht mehr in den Bundestag einzog, sie habe ihr Feld gut bestellt und wolle es nun Jüngeren übergeben. Ganz aus der Politik zurückziehen will sie sich nicht. Ihr Hauptbetätigungsfeld werde künftig das SPD-Forum Ostdeutschland sein, kündigte sie an. hmt

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