Politik : Schröders Ost-Reise: "Unnachsichtig gegen jeden Rassismus"

Nach einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder am Mittwoch zum entschiedenen Widerstand gegen den Rechtsextremismus aufgerufen. "Orte wie diese zeigen, wohin Rassismus und verbrecherische Ideologien führen können", sagte Schröder, der während des Rundgangs von dem ehemaligen KZ-Häftling Albert van Dijk aus Holland begleitet wurde. Im KZ Mittelbau-Dora mussten rund 60 000 Häftlingen aus 40 Ländern unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten. 20 000 von ihnen kamen ums Leben.

"Wir sind es uns selbst, unseren Kindern und unseren Enkelkindern schuldig, dass das nie wieder Wirklichkeit wird", sagte der Kanzler. "Das ist der Grund, warum wir gegen alle Anfänge kämpfen und allen Anfängen zu wehren haben. Das ist der Grund, warum wir unnachsichtig sein müssen mit denen, die Rassismus wieder zum Merkmal ihrer Überzeugungen machen."

Nichts dürfe bagatellisiert werden, gegen jede Form von Rassismus und rechter Gewalt müsse mit der Härte von Polizei und Justiz vorgegangen werden. Denen, die jugendliche Mitläufer seien, müsse eine Chance geboten werden. "Entscheidend ist, dass die zivile Gesellschaft Deutschlands, die übergroße Mehrheit das als ihre Angelegenheit begreift und jeder dort, wo er arbeitet, wo er lebt seinen Teil dazu beitragen kann und muss", sagte Schröder.

Zuvor hatten in Nordhausen rund 100 Kalikumpel für den Erhalt ihres Unternehmens demonstriert. Schröder hatte dem existenzgefährdeten Unternehmen Unterstützung versprochen. Am Morgen hatte er das Monumentalwerk des Künstlers Werner Tübke im Panoramamuseum bei Bad Frankenhausen gewürdigt. Nach einem gemeinsamen Besuch mit dem Maler nannte Schröder das zu DDR-Zeiten entstandene Auftragswerk "Frühbürgerliche Revolution in Deutschland" eine "einzigartige Schöpfung, die man bei einem Besuch gar nicht erfassen kann".

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